Anfang Januar startete der neue Designwettbewerb Bundespreis Ecodesign. Wir haben mit Cornelia Horsch gesprochen, Leiterin des IDZ Berlins und verantwortlich für die Konzeption des Preises, der im Auftrag des Bundesumweltministerium und des Umweltbundesamts entwickelt wurde.

Warum ist die Entscheidung gefallen, einen weiteren Designwettbewerb auszuloben?
In der Tat gibt es inzwischen eine nahezu unüberschaubare Anzahl an Designpreisen – und nicht alle folgen gleich seriösen Standards. Daher haben wir uns diese Frage auch selbst gestellt. Ein nicht kommerziell ausgelegter Designwettbewerb ist jedoch nach wie vor ein geeignetes Instrument, um Qualität im Design sichtbar zu machen und Orientierung für Unternehmen und Verbraucher zu geben. Daher haben wir im  Auftrag von UBA und BMU ein hochwertiges und transparentes Wettbewerbsformat erarbeitet. Der Preis wird auf Bundesebene Arbeiten von besonderer gestalterischer und ökologischer Qualität auszeichnen und dazu beitragen, ökologisches Design aus seiner Nischenstellung herauszuholen. Deshalb auch ein eigenständiges Format und keine Sparte in einem bereits bestehenden Wettbewerb.

Ecodesign ist bisher eher mit Produktdesign (Ecodesign-Richtlinie der EU) in Verbindung gebracht worden. Welche Möglichkeiten/Chancen haben dematerialisierte Konzepte und Kommunikationsdesign mit Nachhaltigkeitsbezug?
Sicher lassen sich die Eigenschaften ökologischen Designs leichter am klassischen Produktdesign aufzeigen. Wir möchten jedoch ein erweitertes Produktverständnis und eine Loslösung von der reinen Objektorientierung fördern. Deshalb haben wir ein offenes Wettbewerbsformat gewählt. Die Kategorie „Produkt“ ist nicht mit Produkt- bzw. Industriedesign gleichzusetzen, sondern bezeichnet ein auf dem Markt erhältliches Gebrauchsgut. Damit sind Produkte im klassischen Sinne genauso gemeint wie ein funktionierendes Car Sharing System oder Mode und Textilien. Die Produktkommunikation verstehen wir als Teil des Ganzen, sie spielt bei der Bewertung der Einreichungen eine wichtige Rolle. Des Weiteren gibt es die Kategorie „Konzept“, in der Prototypen und Konzeptstudien eingereicht werden können. Konzepte zur Dematerialisierung wären hier genau richtig. Wir erhoffen uns in allen Kategorien innovative und spannende Einreichungen, die zu einem ganzheitlichen Designverständnis beitragen und möchten diesen Ideen und Strategien eine Plattform bieten.


Die Kriterien-Matrix ist recht gelungen. Lässt sich das zu einem “offiziellen” Bewertungsstandard für Nachhaltiges Design ausbauen oder einführen?
Danke für das Lob. Momentan dient die Kriterienmatrix zur Orientierung im Bewerbungs- und Bewertungsverfahren des Wettbewerbs. Gleichzeitig stellt sie ein Werkzeug für die  Designpraxis dar. Wir erhoffen uns auch, dass sich die Internetseite zu einer Best-Practice-Plattform mit guten Beispielen und weiterführenden Hinweisen entwickelt. Einen offiziellen Bewertungsstandard einzuführen, klingt sinnvoll und erstrebenswert. Allerdings wird es niemals reichen, Kriterien einfach abzuhaken, da bei jeder Arbeit andere ökologische Aspekte von primärer Bedeutung sind. Das Thema ist so komplex und vielschichtig, dass es die eine wahre und allgemeingültige Richtlinie für alle Produkte und Konzepte sicher nicht geben kann. Wir möchten mit dieser Matrix Anregungen zum Nach- und Weiterdenken liefern. In einer Gesamtevaluierung des Wettbewerbs wird auch die Kriterienmatrix überprüft und gegebenenfalls erweitert werden.


Die Sieger sollen in einer Wanderausstellung mit begleitenden Veranstaltungen der Öffentlichkeit präsentiert werden. Dockt sich die Ausstellung an bestehende Veranstaltungen an (z.B. KarmaKonsum) oder wird dafür ein eigenes Format konzipiert?
Sowohl als auch. Für die Präsentation der Preisträger/-innen streben wir neben einer Publikation ein eigenständiges Format an, wir werden jedoch Kooperationen mit bereits bestehenden Veranstaltungen eingehen. Bisher befinden wir uns in der Vorbereitungsphase, daher kann ich Ihnen leider noch keine konkreteren Angaben machen.