mine Kafon

Design to improve life ist der gleichnamige Titel eines Designwettbewerbs. Immer wieder mal blickt man auf unsere Nachbarländer und kann einfach nur neidisch werden. Diesmal, und nicht zum ersten Mal, ist es unser Nachbar Dänemark, der zeigt, welchen Beitrag Design für die zukünftige nachhaltige Entwicklung leisten kann. Mit dem Wettbewerb Design to improve life werden dutzende Vorschläge aus über tausend Einreichungen mit dem höchsten Gestalterpreis der Welt (!) prämiert, die Lösungen für unseren aktuellen Probleme bereitstellen. So heißt es im Untertitel des Wettbewerbs: Inspiring, Educating and Engaging people in designing sustainable solutions to global challenges. Warum bekommen wir solche Projekt nicht? Wenn ich mir unsere nationalen Wettbewerbe anschaue, z.b. den Red Dot Award, wird einem bestätigt, das die Macher eine Designdefinition vertreten, die sich nur auf Farbe, Form und Funktion (also auf Ästhetik) beschränkt und Design nicht als eine Problemlösungskompetenz verstehen. Vielleicht liegt es auch daran, das der Wettbewerb des Red Dot Awards seinen Fokus auf Produkte legt, die sich in unserer konsumfokussierten Welt gut verkaufen lassen, aber ansonsten uns nicht unbedingt weiterhelfen. Oder welche Problemlösung dürfen wir von einem Türgriff oder einem Fernseher, von einem Bürostuhl, einem Wischmop oder einem Motorrad erwarten? Aber auch der noch junge Ecodesign-Wettbewerb muß noch beweisen, welche Probleme – im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung – mit den ausgezeichneten Designs gelöst werden sollen. Sieht man einmal von den durchaus interessanten Studentenbeiträgen ab, sind ein Sauger, ein Ofen und ein Gabelstapler nicht unbedingt Lösungen der Kategorie “Das-braucht-die-Menschheit.”
Kommen wir nochmal auf den Wettbewerb unseres Nachbarlandes Dänemark zurück. Prämiert werden nicht Ästhetik, sondern Problemlösungen. Ideen für die “großen Herausforderungen der Menschheit”, wie es im Ausschreibungstext heißt, also Umweltschutz, Erziehung, sauberes Trinkwasser, Mobilität, Ernährung, Armutsbekämpfung oder Selbstbestimmung. Einige Beispiele der nominierten Arbeiten: Der Mine Kafon, ein fantastisch aussehendes Gebilde, dass aussieht wie eine Pusteblume, aber eingesetzt werden kann, um Landminen zu finden und zu zerstören. Oder die spannende Internetplattform Open Source Ecology, auf der sich mit relativ geringen finanziellem Aufwand Maschinen für den Eigenbedarf herstellen läßt, z.B. einen 3D-Drucker, eine Windturbine und einen Bulldozer (so kann die Subsistenzwirtschaft eines Nico Paechs realisiert werden). Oder der Onlinemarktplatz RecycleMatch.com auf der Unternehmen anderen Unternehmen “ihren Abfall” verkaufen können. Das schont Ressourcen und reduziert die Müllberge auf den Deponien. Wie sagte es Ernst Ulrich von Weizsäcker in seinem Buch Faktor Fünf so deutlich, das das wichtigste für den Designprozess erstmal ist, die richtigen Fragen zustellen: Brauchen wir das wirklich? Und wie kann man es mit geringer Umweltbelastung zur Verfügung stellen?

 

Comments are closed.