Rudolph Karstadt war innovativ. 1881 gründete er in Wismar sein erstes „Manufactur-, Confections- und Tuchgeschäft“.
Zum ersten Mal gab es ein breites Sortiment unter einem Dach, der Warenkauf wurde zentral abgewickelt, was höhere Gewinnmargen ermöglichte und es wurden Festpreise eingeführt. 1920 betrieb er bereits mehr als 30 in ganz Deutschland.
Bis in den siebziger Jahren hat man von dieser Innovation gut leben können. Karstadt, Kaufhof und Co. waren fester Bestandteil der Einzelhandelslandschaft. Versäumt aber wurde anscheinend, Rahmenbedingungen für Innovationsprozesse in den Konzernen zu schaffen. Besucht man heute die Häuser, kann man sich nicht dem Eindruck erwehren, dass es sich um Relikte aus vergangenen Tagen handelt.

ddp_015C4C00C44E7CA2.jpg
Es muffelt, es bröckelt und das Sortiment ist in seiner Gesamtheit ohnmächtig langweilig. Sind die Manager keine weltgewandten Menschen (wie sie vorgeben zu sein)? Sie müßten doch die innovativen Konzept rings um sie bemerken (die atemberaubenden Häuser von Selfrigdes, die nicht nur nach aussen glänzen, sondern auch innen vom Sortimentsangebot her funkeln). Die vielen innovativen Concept-Stores von denen man lernen könnte, wie man Produkte präsentiert, wie man ein aufregendes Einkaufserlebnis schafft, wie man mit tollen Angeboten begeistert.
Was ist mit dem großen grünen Wachstumsmarkt? In Deutschland ist eine neue Zielgruppe mit über 12 Millionen Menschen entstanden. Wo sind die Angebote für diese Gruppe? Ist jemand schonmal auf die Idee gekommen mit einem Konzept „Green Floor“ by Karstadt?
Aber was fällt dem Management ein? Wie innovativ ist die Kopie eines in die Tage gekommenen Konzeptes „Jede Woche eine neue Welt“, dass man vor 2 Jahren auch für Karstadt ausprobiert hat und das Millionen verschlungen hat?
Erinnern wir uns an die „Dschungelwochen“ mit Leopardenattrappen an den Rolltreppen und Affen- und Urwaldgeräusche, die durch die Räume kreischten.
Und wie soll Begeisterung und Lust auf Neues aufkommen, wenn man in den Häusern die gleichen Angebote von den gleichen Filialisten vorgesetzt bekommt, die auch schon in jeder Einkaufstrasse und in jedem Shoppingcenter um die Ecke zu finden sind. Wie kann auch Innovation entstehen, wenn sich die Manager der verschiedenen Handelshäuser gegenseitig die Klinken in die Hände drücken? Da kommt ein Manager von Karstadt nach Kaufhof, da wechselt jemand von Tschibo nach Karstadt usw.

Die neue Überlebensstrategie, die jetzt vom Vorstand für Karstadt verkündet wurde, läßt einiges erahnen. Verkauf der Premiumhäuser (das Beste was – wenn überhaupt – da war), Konzentration auf die etablierte Mitte, oder besser gesagt auf die anonyme anspruchslose Masse und ein neuer Einkaufsmanager, der von Tacco kommt. Karstadt soll jetzt auch billig werden. Billig können die Deutschen doch am besten. Ist der Discounter nicht in Deutschland erfinden worden? Da muß man nicht innovativ sein, da reicht der Taschenrechner und die Neonröhre.

Wer in Zukunft ein Einkaufserlebnis in Warenhäuser haben möchte, der muss sich leider zu unseren europäischen Nachbarn aufmachen oder zu unseren Freunden in Übersee. Hier in Deutschland sind die Warenhäuser dafür wirklich unbrauchbar.
Was kommt: ein mehrstöckiger Aldi?

 

0 Responses to Innovationsfeind Nr. 1: Die Warenhäuser

  1. Frank sagt:

    Sehr treffender Kommentar. Ähnliches gilt für unsere Supermärkte. Nachdem ich bei Fresh ’n‘ Wild einmal erlebt habe, wie ich eigentlich einkaufen will, warte ich darauf, dass sie nach Deutschland kommen…

    Design wird leider völlig unterschätzt. Und nicht nur im „Warenhaus“…