Offener Leserbrief
Handelsblatt-Artikel „Nachhaltigkeits-Geschwätz“ von Bernd Ziesemer vom 2. August 2010, Ausgabe Nr. 146

Sehr geehrter Herr Ziesemer,
in Ihrem Meinungskommentar (http://www.handelsblatt.com/meinung/kolumne-chefetage) kritisieren Sie die utopia-Konferenz auf polemische Weise. Leider nicht mit relevanten Inhalten, sondern mit oberflächlichem „Greenbashing“.
Sie stürzen sich auf Begrifflichkeiten – von Ihnen als Dumm-Englisch bezeichnet – und das in einer Zeitung, die ohne dieses sogenannte Dumm-English (Analyse-Flash, Buy und Add, Börse Inside, Market Map, Forwardkurven, Analyser to go, etc.) selber nicht auskommt. Da sollte man doch lieber mal vor der eigenen Haustüre kehren. Sie erlauben sich ein Urteil über eine Konferenz, die Sie offensichtlich selbst noch nie besucht haben. Das wäre Ihnen aber dringend zu empfehlen, wenn man sich ihre „konstruktiven“ Vorschläge zu einer Diskussion ansieht. Kernkraft ist erstens einer der teuersten Energieformen, die nur Dank staatlicher Subventionen und durch eine Externalisierung von Kosten vordergründig günstig und umweltfreundlich erscheinen. Zweitens gibt es keine gefährlichere Energieform. Machen Sie sich die Mühe und besuchen das Endlager Asse, um einen realitätsnahen Eindruck zu bekommen, was die Kernenergie uns und vielen Generationen nach uns hinterlässt. Stattdessen greifen Sie die fortschrittliche, zukunftsweisende Technik der Offshoreparks an, die Ihrer Meinung nach zu einer ökologischen Bedrohung werden kann oder haben Sie das jetzt mit Deepwater Horizon im Golf von Mexiko verwechselt? Wie forderte schon Peter Unfried, wir brauchen eine neue Elite, die dieses Land in die Zukunft führen kann. Die „Alten Eliten“ (und da gehören Sie meiner Meinung nach dazu) sind nicht mehr in der Lage, ihre Konzepte aus dem letzten Jahrhundert zu überwinden. Claudia Langer (die Macherin hinter der utopia-Konferenz), die mit ihrer ehemaligen Werbeagentur Kampagnen für Atom- und Fast Food-Konzerne entwickelt hat, hat verstanden, dass es neue Konzepte bedarf, damit wir nicht die Erde gegen die Wand fahren und hat die Werbung hinter sich gelassen.
Langer´s utopia-Konferenz ist ein wichtiger Beitrag, Lösungen zu suchen und zu diskutieren. Daran scheinen Sie als ehemaliger Chefredakteur des Handelsblatts kein Interesse zu haben.
MfG Stephan Bohle

 

0 Responses to Neue Eliten braucht das land

  1. dieter sagt:

    Nicht neue Eliten, sondern Keine!!!
    Allerdings gibt es immer auch einen wahren Kern – Auf allen Seiten… Es wird vor allem viel geredet, meist von den neuen Experten, die entweder ein nachhaltiges Geschäftsmodell gefunden haben (meist Kommunikation, Beratung oder Change Manager) oder von Saulus zu Paulus wandern (utopia beansprucht doch den Nachhaltigkeitsapostel-Status und wers glaubt wird selig gesprochen). Bei den Unternehmen heisst das Greenwashing, die andere Seite Neo-Ökologie?