deutscher_nachhaltigkeitspreis

Nachklang Ausgang Deutscher Nachhaltigkeitspreis

Ende November wurde zum dritten Mal der Deutsche Nachhaltigkeitspreis vergeben. Die Veranstaltung löste kontroverse Diskussionen in der Community aus (z.B. http://www.utopia.de/magazin/puma-springt-nach-ganz-vorn-deutscher-nachhaltigkeitspreis-2010-beste-nachhaltigkeitsstrategie-sportlifestyle-unternehmen). Ich selbst war nicht auf der Veranstaltung. Ich kann aber aufgrund zahlreicher Besuche auf anderen Veranstaltungen und Konferenzen gut nachvollziehen, warum die Reaktionen auf dieses Event so heftig ausgefallen. Sind wir Eco-Extremisten? Sind wir in der Auffassung zum Thema Nachhaltigkeit zu radikal? Wir befinden uns in einem Paradigmenwechsel – oder mit dem Ökonom Kondratjeff ausgedrückt – wir befinden uns am Ende, bzw. am Anfang eines neues Innovationszyklusses. Die alte Denke und mit ihr die alten Eliten versuchen mit Händen und Füssen ihren Bestand zu verteidigen. Deshalb tauchen auf Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit Unternehmen auf, die dort eigentlich nichts zu suchen haben (BASF, Henkel, Coca Cola, Daimler&Co.). Das ist der verzweifelte Versuch, sich in das neue Zeitalter zu retten. Man hat den Eindruck, dass alle immer schon nachhaltig gedacht und dementsprechend gewirtschaftet haben, gewissermaßen eine Selbstverständlichkeit, wie man ja auch selbstverständlich für Frieden und gegen Krieg ist. Aber mit Hilfe von Marketing- und PR-Strategien ist der Wandel zu einem nachhaltigen Unternehmen eben nicht getan. Fast jedes Unternehmen hat heute seinen Nachhaltigkeits- oder CRS-Manager. Aber wo kommen den all die Experten plötzlich her? An den meisten Unis sind Studienangebote im Bereich Nachhaltiger Wirtschaft/Nachhaltiger Ökonomie noch absolut Mangelware (als Ausnahmen wären Studienangebote der HWR Berlin oder der Leuphana Universität Lüneburg zu nennen). Also woher nehmen diese angeblichen Experten ihre Expertise? Wenn man die Ergebnisse sieht, kann man feststellen, dass Sie eben keine Experten auf diesem Gebiet sind, Sie sind heillos überfordert und unsicher. Es reicht nicht, wenn in den Konzernen einzelne Projekt gefördert oder durchgeführt werden, die durchaus unter nachhaltigen Kriterien entwickelt wurden (z.B. das neue Verpackungskonzept von Puma, das man lobenswert erwähnen kann); das macht ein Unternehmen nicht automatisch zu einem nachhaltigen Unternehmen. Wie ja schon Einstein richtig feststellte, kann man die Probleme nicht mit den Methoden lösen, die diese verursacht haben. Massen- oder Billigproduktion, Skalierungseffekte, Margen- und Gewinnmaximierung, Shareholder Value, Produktivitätssteigerung sind die Methoden des letzten Jahrhunderts, die dafür gesorgt haben, dass wir den Planeten Erde an den Rand seiner natürlichen Tragfähigkeit getrieben haben. Wir sollten natürlich sehr differenziert bei der Beurteilung von Veranstaltungen, wie dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis, vorgehen, damit die Unternehmen und Menschen, die sich nachweislich für die Nachhaltigkeit einsetzen, nicht über einen Kamm mit den alten Eliten geschert werden. Christoph Harrach von karmakonsum oder die Unternehmen Alnatura, Lichtblick und GLS Bank sind glaubwürdige Vertreter einer neuen Generation von Denkern und Wirtschaftsunternehmen, denen auch die Zukunft gehören wird. Herrn Schulze-Hausmann (der Veranstalter des Deutschen Nachhaltigkeitspreises) kann man dagegen empfehlen, sich in Zukunft an Eventexperten zu wenden, die sich auf die Ausrichtung von Nachhaltigen Events spezialisiert haben (z.B. mygreenmeeting.de). So kann man zumindest vermeiden, dass sich Unternehmen mit nicht nachhaltigen Gechäftsmodellen im Umfeld einer Veranstaltung einschleichen und einen faden Beigeschmack hinterlassen. Den großen Konzernen kann man empfehlen, Bescheidenheit walten zu lassen und nicht gleich in das Horn der Nachhaltigkeit zu blasen. Das Echo kann nämlich verheerend ausfallen. Fazit: Wir müssen weiterhin den alten Eliten (und auch den alten Medieneliten) klar machen, dass sie es sich nicht so einfach machen können und mal eben schnell auf grün umschwenken, weil es gerade so ein trendiges Thema ist. Dafür nehmen wir auch gerne in Kauf als radikal bezeichnet zu werden.

 

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