design-or-nodesign

Am Wochenende erschien ein bemerkenswerter Artikel in der Süddeutschen Zeitung (http://www.sueddeutsche.de/leben/oeko-produkte-und-design-zu-schoen-um-bio-zu-sein-1.1064933-2). Der Autor Oliver Herwig begab sich auf Spurensuche, um das Verhältnis der Öko-Branche zu Design näher zu beleuchten. Das Thema ist den Medien und in der Öffentlichkeit so unterbelichtet, dass man jeden Versuch sich diesem anzunähern nur unterstützen kann.
Zuerst haben wir ja in Deutschland generell ein zwiespältiges Verhältnis zu Design. Zum Beispiel kam in einer Umfrage des Bundeswirtschaftsministeriums 2009 heraus, dass 80% (!) der mittelständischen Unternehmen angaben, das Design keine strategische Bedeutung für sie spielt. Diese generelle Designverweigerung wird noch in der Öko-Branche dadurch verstärkt, das man nicht den Anschein erwecken möchte, nur auf das Äußere zu achten. Auf den Inhalt kommt es an. Leider frönt man hier noch einer uralten Designauffassung, die besagt, dass Design auf das Äußere, auf die Öberflächengestaltung, letztlich auf die „Verpackung“ beschränkt ist. Natürlich trägt die Designzunft eine Mitschuld an dieser Definition, sorgte sie doch genau mit modischen, „oberflächlichem“ Design und Verkleidungsschlachten für eine unerträgliche Flut an schlechten und unnützlichen Produkten, die die Umwelt schädigen und vermüllen. Schon vor über 50 Jahren merkte der Journalist Vance Packard in seinem Klassiker Die grosse Verschwendung an, dass „(Design)Moden den Wert einer Ware völlig zerstören können, selbst wenn deren Brauchbarkeit nicht beeinträchtigt wird.“ Der moderne Designbegriff aber beruht eher auf einem systemischen Ansatz und beginnt mit Fragestellungen wie „Brauchen wir das wirklich?“ und „Welches Problem wollen wir lösen?“. Der Designbegriff ist hier nicht auf Oberfläche beschränkt, sondern bezieht sich auf alles, was der Mensch schafft. Der Architekt Bill McDonough hat gesagt, das Design das erste Zeichen menschlicher Absicht ist. Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass die Bio-Branche neben Geldverdienst das Ziel hat, die Welt ein wenig besser zu machen, kann sie diesen Anspruch glaubhaft nur vertreten, wenn sie sich einem breiteren Publikum öffnet und endlich aus der gemütlichen „Mikromininische“ heraustritt. Das schafft man mit äußergewöhnlich guten und brauchbaren Produkten, die weder Mensch noch Umwelt schaden UND die mit großer Emotion zu uns sprechen. Nur die Emotion ist in der Lage, dass der Mensch bereit ist, sich zu verändern. Nur die Emotion löst in unserem Gehirn Aktivitäten aus, die uns aus unserem Gewohnheitshandeln herausreissen können. Der Neurobiologe Gerald Hüther hat neulich auf einer Konferenz gesagt, die Emotion ist der Dünger für unser Gehirn, d.h. „werden wir begeistert, können wir Neues aufnehmen“. Die Zukunft gehört den intelligenten Bio-Produkten und Services, die in der Lage sind Emotionen zu transportieren.

 

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