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Am 20. Juni wurde die 11. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung in Berlin veranstaltet. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung berät die Bundesregierung und berichtet über sein Tun und Schaffen jährlich öffentlichkeitswirksam auf dieser Konferenz. Die über 1600 Teilnehmer erlebten eine hoch professionelle Veranstaltung im würdigen Rahmen des Berliner Tempodroms, das Who is Who der Nachhaltgkeitszene lud ein zum großen Networking. Obwohl ich immer noch ein Misstrauen gegenüber Puma hege, muß ich gestehen, dass Jochen Zeitz, der im Juli die Position des Chief Sustainable Officers des Luxuskonzerns PPR (Gucci, YSL, Stella McCartney) antritt, sehr überzeugend wirkt. Immerhin hat seine Puma AG jetzt die erste Umwelt-Gewinn-und-Verlust-Bilanz eines börsennotierten Umternehmens vorgestellt. Puma hat dabei allerdings nur den Wasserverbrauch und die C02 Emission „eingerechnet“, aber das ist ein erster wichtiger Schritt. Die Umweltkosten belaufen sich laut Report bei 96 Millionen Euro. Wir können aber dennoch gespannt sein, wenn Puma in Zukunft die Kosten mit einrechnet, die es spart, weil sie ultra-billige Arbeitskräfte einsetzen, die von ihrem Lohn nicht menschenwürdig leben können und zum Teil unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen leiden (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,756149,00.html). Nachhaltigkeit ist eben allumfassend und es ist zu befürchten, das dann die Bilanz ziemlich verhagelt aussehen wird. Warten wir es ab. Man fragt sich, warum auf Nachhaltigkeitsveranstaltungen auch immer wieder Unternehmen eine Plattform gegeben wird (z.B. auch bei der Verleihung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises, bei der sich Coca-Cola(!) und McDonalds (!) in Szene setzen durften), die von Nachhaltigkeit soweit entfernt sind wie wir vom nächsten erdähnlichen Planeten (20 Lichtjahre). Der Sustainability Manager der Metro AG war ein echtes Ärgernis, er hatte nichts konstruktives zu sagen, sondern verteidigte nicht nachhaltige Billigprodukte (Geil ist Geil ist der neue Schlachtruf von Saturn) damit, dass sich viele Verbraucher eben mehr nicht leisten können. Aber wer ist denn für die Nachfrage- und Bedürfnissweckung verantwortlich? Wenn ich die Massen mit aufgeheizter und trickreicher Werbung in die Läden locke, die dann ihr ganzes Geld in die neuesten Flach-Schwachsinn-Fernseher stecken, um ihre Nachbarn zu beeindrucken, dann darf ich mich nicht wundern, als Fehl am Platze bei einer Nachhaltigkeitsveranstaltung eingestuft zu werden. Unternehmen, die der Gesellschaft und Umwelt Schäden zufügen, sollten wirklich zukünftig von solchen Veranstaltungen AUSGESCHLOSSEN werden. Wir wollen sie hier nicht sehen!

Zum Abschluss gab es noch eine beeindruckende Vorstellung des charismatischen (was für einen Wissenschaftler eine wohl seltende Bezeichnung ist) Prof. Schellnhuber vom Potsdam Institut. Mit klaren und eindringlichen Worten zeigte er auf, dass wir immer noch mit Vollgas auf den Abgrund zu fahren. CO2-Konzentration erhöht sich weiter, das arktische Eis schmilzt weiter und die Erderwärmung nimmt weiter zu. Aber Prof. Schellnhuber gibt die Hoffnung noch nicht auf. Als uns zum Vorbild nehmendes Beispiel gab er die (erfolgreiche) Sklavenbekämpfung im British Empire an, die nur von einer Handvoll Männer hartnäckig und gegen allen Widerstand eingeleitet wurde. Sein Vortrag wurde mit enthusiastischem Applaus quittiert. Abschließend kann man noch positiv auf das erste Bloggertreffen mit Mitgliedern des Rates hinweisen, dass von Christoph Harrach und Sebastian Backhaus initiiert wurde. Dieser informelle und sympathische Austausch soll auch in Zukunft auf der Jahreskonferenz stattfinden.
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