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Wir sagen über uns selbst, das wir führend in den Umwelttechnologien sind. Wir sind das erste Industrieland, das der Atomkraft abschwört. Wir beziehen 17% unserer Energie aus erneuerbaren Quellen. Positive Nachrichten. Aber nach allem Stand der Kenntnisse wird uns eine Wandlung in eine nachhaltigere Gesellschaft nicht ausschließlich durch den Einsatz von Innovationen und neuer Technologien gelingen. Ein Wandel der Kultur, ein Wandel unseres Lebensstils ist unabdingbar und notwendig gegeben. Da geben die Schlagzeilen der vergangenen Tagen keinen Grund zur Freude. Die Deutschen lieben Pferdestärken und haben im ersten Halbjahr 2011 soviel wie noch nie zuvor Autos mit hohen PS-Zahlen gekauft (im Durchschnitt mit einer Leistung von 134 PS!). Scheint hier auch der Technikglaube mit den Menschen durchzudrehen. Glauben denn die Porsche Panamera-Fahrer im Ernst, dass sie aufgrund des scheinbar positiven Verhältniss von Gewicht zu CO2-Emission einen Umweltbeitrag leisten (das kaut ihnen die schlaudreiste Werbung jedenfalls vor)? Lassen sie es sich gesagt sein, mit einem mehreren tonnenschweren Auto mit 300 PS mit 200km/h über die Autobahn zu brettern ist nichts anderes als asozial, menschen- und umweltverachtend. Ein weiteres Negativbeispiel ist die Nachricht, dass die Deutschen jetzt schon alle sechs Jahre einen neuen Fernsehen kaufen (2010 insgesamt 9 Millionen Flachbildschirme, soviele wie noch nie). Es muß ja der ultimativ neue, ultra-flache, mega-brilliante Flachschirmwichs sein, um den dummen Nachbarn von nebenan zu beeindrucken. Dabei hilft die dumm-dreiste Werbung eines Handelskonzern, der in großen Werbeanzeigen (ebenfalls von einer dumm-dreisten Werbeagentur konzipiert) von sich behauptet, ein beispielhaftes Vorbild eines nachhaltigen Unternehmens zu sein. So wird das nichts mit dem Wandel. Wie steht es so schön in der Studie „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“: Die Hoffnung heißt, dass die ökologische Modernisierung der Industriegesellschaft die Umweltprobleme über technische Innovationen lösen wird (…). (…) Diesen Spaziergang in die schöne, heile Welt des nachhaltigen Wirtschaftswachstums stellt die Studie (…) infrage. Das Modell grenzenlosen materiellen Wachstums in einer physisch begrenzten Welt ist überholt (Quelle: Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt, Fischer Taschenbuch Verlag, 2009). Erst wenn wir das verstehen lernen, werden wir in der Lage sein, tonnenschwere PS-Saurier und den Erwerb neuer Fernseher aller paar Jahre als Verschwendung und Vulgarität zu sehen. Wir werden unseren Lebensstil ändern müssen. Nein, besser wir wollen ihn ändern.

 

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