Selten verursachen Thesen eines Buches in den Medien so einen Wirbel. Es geht um den Klimawandel und der RWE- Manager Fritz Vahrenholt behauptet jetzt, dass es diesen so gar nicht geben wird, weil die Sonne in den nächsten Jahrzehnten für mehr Kälte auf der Erde sorgen wird und es in den letzten Jahren schon keine Erwärmung mehr gegeben hat. Dabei ist es unstrittig, das a) das Klima immer Schwankungen unterliegt und b) in einem größeren, als von Vahrenholt betrachtetem Zeitraum, die Erde sich immer weiter erwärmt.  In einem Spiegel-Interview (Spiegelheft 6/2012) behauptet Vahrenholt, dass der Klimawandel beherrschbar bleibt, weil die Sonne und Meeresströmungen genügend Zeit verschaffen, uns darauf einzustellen. Wunderbar, das ist doch genau die Nachricht, die jeder Klimaskeptiker und dem fossilen Zeitalter anhängenden Politiker oder Unternehmer hören will. Die Message: Wir können beruhigt erstmal so weitermachen und uns auf Kosten der Umwelt und zukünftiger Generationen weiter bereichern. Im Jahr 2030 wird der in Gelsenkirchen geborene Vahrenholt 81. Was kümmert ihn dann noch die Auswirkungen eines möglichen Klimawandels?
Wie eingeschränkt sein Gedankenhorizont ist (wie unsystemisch er denkt), offenbart Herr Vahrenholt zum Ende des Spiegelinterviews. Darin beschwert sich der Manager, dass der vom „Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ geforderte Konsumverzicht in eine Ökodiktatur führen wird. Und verzweifelt, weil er ein Gespräch einer Mutter mit ihrem Kind lauschte, die den Zusammenhang zwischen Argentinischem Steak und Klimawandel herstellte. Er fragte sich, wie es nur soweit kommen konnte. Man kann die Mutter nur beglückwünschen, ihr Kind verantwortungsvoll zu erziehen. Wir wissen, dass der weltweit hohe Fleischkonsum enorme Folgen nicht nur für das Klima hat. Die 1,5 Mrd. Rinder benötigen Fläche (das oft durch Waldbrandrodung gewonnen wird) und verbrauchen Futter, dass mittlerweilen auf über 40% der weltweit verfügbaren Anbaufläche gewonnen wird.
Wir aber fragen uns, wie es nur soweit kommen konnte, dass Thesen eines Hobbyforschers und RWE Managers soviel Beachtung geschenkt bekommen? Gibt es mehr Schlagzeilen und Berichterstattung dafür, dass man den Klimawandel leugnet, als über Lösungen für eine nachhaltigere Entwicklung der Gesellschaft?

 

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