Sven Klinkow, studierte an der HWR Berlin und der Beuth-Hochschule für Technik Berlin, Wirtschaftsingenieurwesen. In seiner Abschlussarbeit hat er sich mit einer nachhaltigen Rohstoffwirtschaft und Ressourceneffizienzpotenzialen bei kritischen Industrierohstoffen auseinandergesetzt. futurestrategy hat den Experten zu diesem wichtigen Thema interviewt.
Herr Klinkow, Sie haben sich über mehrere Monate mit dem Thema  Ressourcen intensiv beschäftigt. Wie steht es um unsere Ressourcen in dieser Welt?
Die natürlichen Ressourcen wie Wasser, Boden, und Luft bilden die Grundlage allen Lebens auf der Erde. Ohne deren Nutzung würde weder Gesellschaft noch Wirtschaft in ihrer derzeitigen Form funktionieren. Seit jeher hat der Mensch Ressourcen verbraucht und auch der Abbau von seltenen Rohstoffen aller Art ist nichts Neues. Geändert hat sich aber die Dimension in der die heutige Menschheit die Ressourcen der Erde beansprucht. Waren es zu Beginn der Geschichte noch 3 kg/Tag, die jeder Mensch verbrauchte, so beträgt der durchschnittliche Verbrauch unserer heutigen Gesellschaft etwa 44 kg/Tag. In der Summe sind dies derzeit etwa 60 Mrd. Tonnen jährlich. Im Jahr 2050 wird ein Verbrauch von bis zu 140 Mrd. Tonnen prognostiziert. Das ist natürlich zu viel für einen begrenzten Planeten. Wenn wir so weiter Wirtschaften wie bisher und auch die Schwellen- und Entwicklungsländer einen gleich hohen Verbrauch wie die Industriestaaten anstreben, dann benötigen wir im Jahr 2030 einen zweiten Planeten wie die Erde. Doch diesen gibt es nicht.
Nicht nur die Bundesregierung setzt auf die Elektromobilität als eine Lösung für zukünftige Mobilität. Wir wissen, dass diese nur Sinn machen wird, wenn der Strom für die Batterien aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Was haben Sie aus der Perspektive der Ressourcen dazu anzumerken?
Es ist richtig, ehrlich nachhaltige Mobilität kann nur auf erneuerbaren Energie aufbauen. Ob zukünftige Mobilität nun hierbei auf Batteriebetrieben Elektromobilen oder auf Wasserstoffbasis erfolgt, ist eine eher technische Frage. Entscheidend ist jedoch, dass bei beiden Antriebsarten auch Rohstoffe ge- und verbraucht werden. Bei Elektromobilen würde sich der Bedarf an Kupfer bspw. etwa verdreifachen. Derzeit ist das Angebot an Kupfer noch als gut zu bezeichnen, aber dennoch ist auch hier bei zunehmender Nachfrage mit Knappheit zu rechnen. Bei der Speicherung wird voraussichtlich Lithium der entscheidende Rohstoff sein. Auch dieser ist natürlich nicht unbegrenzt verfügbar und nach derzeitigem Stand der Technik sehr schlecht recyclierbar. Sollte der Antrieb der Zukunft auf Wasserstoff basieren, so ist auch hier bei den Brennstoffzellen mit einer erhöhten Kupferverwendung zu rechnen. Auch bei der Gewinnung von Erneuerbaren Energien wird Kupfer stark verwendet, so z.B. in großen Offshore Windkraftanlagen bis zu 30 t je Anlange.
Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung des Ressourenverbrauchs und der Ressourcenverfügbarkeit in der Welt ein? Man spricht ja immer von den zukünftigen Kriegen um Ressourcen. Ist das Panikmache?
Der Trend zu einer größeren Ressourceninanspruchnahme zeigt eindeutig nach oben. Wie bereits erwähnt, wird bis zur Mitte des Jahrhunderts ein Ressourcenverbrauch von etwa 140 Mrd. Tonnen erwartet. Demgegenüber steht natürlich nur ein begrenztes Angebot. Daher halte ich auch die Möglichkeit von zukünftigen Konflikten um Ressourcen nicht für Panikmache. Es gibt Studien, auch von militärischer Seite, die sich bereits mit entsprechenden Szenarien beschäftigen. So hat sich bspw. im letzten Jahr das Zentrum für Transformation der Bundeswehr in einer sehr ausführlichen Studie mit dem Thema der Erdölverknappung (Peak Oil) beschäftigt, mit teils sehr eindeutigen Ergebnissen. Schwerpunkt für die Industriestaaten ist hierbei die Sicherung des freien Zugangs sowie die langfristige Verfügbarkeit von Rohstoffen. Kritiker sehen hier bereits eine Art Neokolonialismus aufziehen. Ein weitaus größeres Konfliktpotenzial birgt aber insbesondere der ungehinderte Zugang zu Wasser, der wichtigsten Ressource für das menschliche Leben. Hier wird sich die Lage aller Voraussicht nach in Zukunft zuspitzen. Schon heute gibt es ganze Regionen, aus denen die Menschen aufgrund von Wasserknappheit fliehen müssen oder aber nur stark eingeschränkten Zugang zu sauberen Trinkwasser haben, mit entsprechenden negativen Auswirkungen auf die Gesundheit. Mit voranschreiten des Klimawandels wird sich diese Situation weiter verschärfen.
Können Sie kurz einige mögliche Lösungsansätze skizzieren, wie wir die Ressourcenverfügbarkeit jetzt und auch für zukünftige Generationen sichern können?
Generell muss man sagen, dass die Menschheit ihren derzeitigen Verbrauch absolut verringern muss. Dies kann über eine ganze Reihe von Maßnahmen geschehen. Das alles ist auch eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit und der Fairness. Während die industriell geprägten Staaten von ihren hohen Mengenverbräuchen bei Rohstoffen weg kommen müssen, haben natürlich Entwicklungsländern noch einen enormen Nachholbedarf. Jedoch muss diese Entwicklung auch mit der naturgegebenen und begrenzten Ressourcenverfügbarkeit im Einklang stehen. Ein Ansatz hierbei ist die umfassende Steigerung der Ressourceneffizienz. Das heißt, der absolute Ressourceninput muss sinken, bei gleichbleibendem Output. Dies kann durch technische oder organisatorische Maßnahmen, aber auch mittels Ressourcensteuern erfolgen. Zukünftig wird aber wohl entscheidend sein, ob es uns gelingt, die Rohstoffe möglichst langfristig im Kreis zu führen und somit die natürlichen Ressourcen weitgehend schonen können. Abschließend muss aber noch gesagt werden, dass wir sehr viel über den Raubbau an den natürlichen Ressourcen wissen, aber erschreckend wenig dagegen tun.
Herr Klinkow, wir bedanken uns ganz herzlich für das Interview.

 

One Response to Interview des Monats: Ressourcen

  1. […] hatten erst vor kurzem Sven Klinkow zum Thema interviewt. Trotz Wissen über die dramatischen Folgen steigt der Ressourcenverbrauch […]