Nachhaltigkeit ist in den Unternehmen das große Thema der letzten Jahren. In einer von Deloitte veröffentlichten Studie messen 67% der börsennotierten Unternehmen dem Thema Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert für die zukunftige Entwicklung des eigenen Unternehmens bei. Dabei gewinnt man leider verstärkt den Eindruck, dass Nachhaltigkeit für die Unternehmenslenker eher ein weiteres Qualifizierungsmerkmal ist, als das es um eine Transformation der Geschäftsmodelle geht. Unglücklicherweise werden diese Unternehmen von Beratungsunternehmen unterstützt, die die Komplexität der Thematik immer noch unterschätzen. Oder schlägt hier die Abhängigkeit von Auftraggeber und Auftagnehmer etwa durch? Wird hier gar der Bock zum Gärtner gemacht? Wie sonst läßt sich erklären, dass ein auf Branding spezialisiertes Unternehmen in Zusammenarbeit mit einem Beratungsunternehmen kürzlich die „Greenest Brands“ kürte. Wehe dem wirklich an nachhaltigen Geschäftsmodellen gelegenen Unternehmen, dass in das Ranking gerutscht ist. Ganze 7(!) Automobilkonzerne wählte das Gremium in die Top 20. Es scheint diesen Unternehmen zu gelingen, mit aufwendig und intelligent gemachten Werbekampagnen den Konsumenten vermeintlich davon zu überzeugen, das man ein grünes Unternehmen sei. Und so kommt es, dass VW als die 4. grünste Marke gekürt wird. Glauben das die Menschen wirklich, oder glauben das am Ende nur die Unternehmen und ihre Werber selbst? VW steht auf den hinteren Plätzen in Europa, wenn man den Flottendurchschnittswert an CO2 Emissionen zur Bewertung heranzieht (158,8g/km laut einer Studie von Jato, 2008). Die Franzosen oder die Italiener liegen aufgrund ihrer kleineren und leichter motorisierten Autos vorne. Aber auch sie können keine „Grüne Marken“ sein, weil ein auf Individualisierung und auf fossilen Brennstoffen beruhendes Mobilitätskonzept kein grünes Konzept sein kann. So werden wir das Mobilitätsbedürfnis von Milliarden von Menschen jedenfalls nicht nachhaltig lösen.
Oekom research kommt in seinem neuesten review 2012 zu dem ernüchternden Ergebnis, das von über 3000 analysierten Unternehmen nur knapp 17% den branchenspezifisch definierten Mindestanforderungen an das Nachhaltigkeitsmanagement erfüllen. Über 57% der Unternehmen beschäftigen sich gar nicht oder nur marginal mit dem Thema. 83% vs. 17%. Was für ein großer Gap, was für ein Missverständnis. Um mit einem konstruktiven Vorschlag zu schließen, empfehlen wir den 83% die Managementregeln der Nachhaltigen Ökonomie zu studieren. Vielleicht wird dann aus dem Mißverständnis ein Verständnis von nachhaltiger Entwickung, bzw. nachhaltigem Wirtschaftens. Zum Wohle des Unternehmens, der Gesellschaft und der Umwelt. Foto ©Interbrand

 

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