Schon 1997 kam eine Studie des Bundesumweltamtes zu dem Ergebnis, dass mindestens 30 bis 40 % aller Umweltprobleme direkt oder indirekt auf die herrschenden Muster des Konsumverhaltens zurückzuführen sind. Wir wissen, dass der Konsum der Industriegesellschaften große ökologische und soziale Auswirkungen hat und sich die gängigen Konsummuster (mehr, größer, schneller) ändern müssen. Allein das Handeln fällt schwer. Die sogenannten SUVs haben in Deutschland mittlerweilen einen Marktanteil von 20% erreicht.
Also ist es mit der Einsicht, die man durchaus fordern und auch fördern kann noch nicht soweit gekommen. Wahrscheinlich wird sich erst ein größerer Teil den sogenannten Veränderungsbereiten (ca. 5-10% der Bevölkerung) anschließen, wenn es gesetzliche Anreize (Sanktionen) gibt. Schließlich setzt man in der Stadt ja auch nicht auf Einsicht beruhende, freiwillige Geschwindigkeitsbegrenzung und erst das gesetzliche Rauchverbot in Restaurants und in öffentlichen Einrichtungen hat die Mehrheit von den indirekten Schädigungen durch den blauen Dunst befreit. Das Umweltbundesamt hat dieses Jahr dafür eine bemerkenswerte Studie in Auftrag gegeben: Rechtliche Instrumente zur Förderung eines nachhaltigen Konsums. Wobei die Autoren der Studie gleich am Anfang darauf hinweisen, dass Konsum zunächst mehr als den bloßen Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen umfasst. Erfasst werden auch die Phasen Konsumentscheidung, Kaufen und Abgabe am Ende eines Nutzungszyklus. Und sie liefern eine Definition von nachhaltigen Konsum gleich mit: Nachhaltiger Konsum ist ein regelmäßiger, aber möglichst ressourceneffizienter Konsum. Dies beinhaltet beispielsweise eine Abkehr vom Einweg- und gleichzeitige Zuwendung zu Mehrwegnutzung von Produkten ebenso wie eine Nutzungsintensivierung und ggf. einen Nutzungsverzicht.
Fast sensationell mutet die Einschätzung der Autoren an, dass „das Gebot der ökologischen Nachhaltigkeit im Sinne einer auf einen langfristigen Substanzerhalt angelegten Ressourcennutzung und -schonung durch die Staatszielbestimmung des Art. 20a GG als Optimierungsauftrag der Umweltpolitik verfassungsrechtlich gewährleistet.“ Also, die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland besagt, das eine nachhaltige Entwicklung Staatsziel sein müßte. Ist das jedem bekannt? Ist das in der Politik, in der Gesetzgebung schon Realität geworden? Eher nicht. Deshalb hat die Studie Handlungsempfehlungen formuliert (die auch auf Gesetzes- und Verfassungskonformität geprüft wurden), die es in sich haben. Von einem geänderten Gewährleistungsrecht, das schädliche Umweltauswirkungen von Produkten in Zukunft sanktionierbar macht, über eine Entledigungspflicht z.B. für Handys bis hin zu neuartigen Pfandsysteme für Neuprodukte und eine Primärressourcensteuer.
Die lesenswerte Studie ist kostenlos hier verfügbar.

 

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