Ein Strategiepfad auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung in der Gesellschaft ist die Reduzierung des enormen Ressourcenverbrauchs der Industriestaaten (siehe Artikel auf futurestrategy). Ressourcen kann man verringern, in dem man sie weniger einsetzt (Ressourceneffizienz), aber auch in dem man eingesetzte Ressourcen länger gebraucht, bzw. repariert, recycelt oder anders weiter nutzt. In diesem Bereich besteht ein großes (wirtschaftliches) Potential an neuen (alten) Dienstleistungsangeboten. Wie man es machen kann zeigt Lisa Prantner mit Bis es uns vom Leibe fällt. Das Re­pa­rie­ren, so ist es dem Text auf der Website des jungen Unternehmens zu entnehmen, ist der Aus­gangs­punkt und das zen­tra­le Be­tä­ti­gungs­feld von »Bis es mir vom Leibe fällt«. Re­pa­rie­ren, so geht es im Text weiter, „das reicht für uns von der In­stand­set­zung eines be­schä­dig­ten Klei­dungs­stücks über seine Än­de­rung oder An­pas­sung bis hin zur völ­li­gen Um­ge­stal­tung. Der Scha­den wird als An­reiz und Ge­le­gen­heit zur Ver­än­de­rung auf­ge­fasst. Und zwar vom Be­sit­zer des Klei­dungs­stücks eben­so wie vom Re­pa­ra­teur.“ futurestrategy hat die Inhaberin Elisabeth Pranter interviewt.

fs: Wie ist die Idee entstanden. Welchen beruflichen Hintergrund haben Sie?
Lisa Prantner: Ich bin seit Jahren als Modedesignerin und Gestalterin von Performances rund um das „Theater“ tätig. In den letzten Jahren  habe ich mich zunehmend mit Themen wie Arbeitsbedingungen, der ethischen Verlogenheit von  Konzernen und Konsumenten und dem Verlust der Handlungsmacht des Einzelnen beschäftigt. Das alles geschah eher in Form von vorauseilenden Parodien und ironisch-bösen Kommentaren (http://www.lisad.com/cms/index.php?idcat=3). In den letzten Jahren war mir die Kritik nicht mehr genug, ich suchte nach realen Lösungen. Schließlich war es die Idee der „Reparatur“ (die Erhaltung und Erneuerung von Dingen, die sich bereits in der Welt befinden), in der ich meine Vorstellungen in Bezug auf diese Themen real bündeln konnte.

fs: Welche Leute kommen zu Ihnen, was ist deren Hauptanliegen?
Lisa Prantner: Die Palette ist bunt gemischt, Menschen verschiedenen Alters, Geschlechts und sozialer Herkunft sind vertreten. Die meisten wollen einen ökologischen Beitrag leisten, sie wollen ihre  „Lieblingsstücke“ retten  oder kreativ und lustvoll mit Fehlkäufen und in die Jahre gekommenen Kleidungsstücken umgehen. Sie können gemeinsam mit uns ein Stück Handlungsmacht in Bezug auf ihre Kleidung wiedererlangen und gehen mit einem Unikat nach Hause.

fs: Glauben Sie, dass Angebote wie „Bis es mir vom Leibe fällt“ die Menschen dazu bringen wird, weniger zu konsumieren? Das es so einen Beitrag für eine suffizientere Gesellschaft leisten kann?
Lisa Prantner: Auf jeden Fall. Wenn man sich einmal mit dem Gedanken der Reparatur befasst hat, entdeckt man, wieviel Spass es machen kann, sich selbst am kreativen Design- und Produktionsprozess zu beteiligen und so der Konsummühle der Konzerne zu entkommen. Die Menschen beginnen, ihre alten Kleidungsstücke aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, die darin steckenden Ressourcen und Arbeitsprozesse zu würdigen, und leisten mit ihrem kreativen Widerstand auch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit.

 

One Response to Reparaturdienste 2.0

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