Die Gesellschaft und die Wirtschaft tun sich schwer, mit der Natur sorgsam umzugehen. Der Professor für Physiologie und Evolutionsbiologe Jared Diamond hat eindrucksvoll in seinem Buch „Kollaps“ beschrieben, was passiert, wenn Gesellschaften nicht auf ihre Umweltprobleme reagieren können. So schreibt er: „Die Reaktionen einer Gesellschaft erwachsen aus ihren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Institutionen sowie aus ihren kulturellen Werten. Diese Institutionen und Werte haben Einfluss darauf, ob die Gesellschaft ihre Probleme lösen kann (oder überhaupt zu lösen versucht).“ Unternehmen, Behörden und private Haushalte müssen bis heute wenig tun, um genutzte Gemeingüter zu schonen oder wieder herzustellen. Betriebswirtschaftlich lohnt sich das auch noch: Sie sparen Kosten und erzielen einen höheren Gewinn zu Lasten der Gemeingüter. Die Kosten der zerstörten Umwelt oder der vermüllten Ozeane überlassen sie den Kindern und Enkeln. Die Politik unterstützt diesen Kurs in Form z.B. von Subventionen (industrielle Landwirtschaft, Pendlerpauschale, steuerliche Begünstigung von Geschäftswagen, Befreiung von einer Mineralölsteuer in der Luftfahrt, etc.) oder unterlassenen Gesetzen (die z.B. eine Externalisierung der Kosten einschränken). Wir wissen, dass eine Änderung der Handlungs- und Wirtschaftsweisen auf freiwilliger Basis nicht geschehen wird. Der Klimaforscher Steven Schneider von der Stanford University findet dazu deutliche Worte: „Freiwilligkeit funktioniert nicht. Das habe ich schon 85.000 mal gesagt. Sie ist etwa ebenso wirkungsvoll wie eine freiwillige Geschwindigkeitsbegrenzung. Ohne Polizeikontrollen und Strafen käme es auf den Straßen zu einem Blutbad. Ohne gesetzliche Regelungen und Abgaben werden wir die Treibhausgase nicht Herr. Ohne politische Maßnahmen werden wir bald drei- oder viermal soviel CO2 in der Atmosphäre haben wie heute.“ In einem Artikel für die Süddeutsche Zeitung stellt der Journalist Caspar Dohmen die ökonomische Auswirkung des Umsonstbedienungsladens Umwelt dar. Die Menschen und die Wirtschaft haben 2008 auf das Naturkapital Umweltkosten von rund elf Prozent des Weltsozialprodukts abgewälzt. Wenn man so weitermacht, steigt dieser Anteil auf über achtzehn Prozent. Hier wird also neben der Umweltzerstörung auch großer finanzieller Schaden angerichtet, den vor allem zukünftige Generationen zu tragen haben. Daher fordert der Ökonom Gerhard Scherhorn, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die Pflicht, Verbrauchtes wiederherzustellen oder gleichwertig zu ersetzen oder das Gemeingut so schonend zu behandeln, dass es sich selbst regenerieren kann. Dazu Bedarf es einer „Regeländerung“ im Bürgerlichen Gesetzbuch im Artikel 14.2 (“Eigentum verpflichtet“) und Artikel 20a (“Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen“). Das Recht des Eigentümers mit der Sache „nach Belieben“ zu verfahren, müßte nicht nur durch die Rechte Dritter, sondern auch durch die Pflicht zur Erhaltung der Gemeingüter begrenzt werden. Dann würde der Wettbewerb die Erhaltung anstatt den Verzehr der Gemeingüter fördern und diejenigen in der Wirtschaft, die dementsprechend Geschäftsmodelle entwickeln, können sich profilieren und durchsetzen und wären nicht mehr in der Rolle des Davids. Aber deshalb dürfte auch nicht jeder mit der Idee einverstanden sein. Die Goliaths, die bisher das unbehinderte Streben nach Wachstum auf Kosten der Gemeingüter als Grundprinzip der Marktwirtschaft ansehen, fürchten um den Profit. Das es neben zukünftigen Gewinnern (Nachhaltige Unternehmen, die Umwelt) auch Verlierer geben wird, dürfte jedem klar sein. Deshalb wird es auch ohne veränderte (Spiel-)Regeln nicht gehen. Freiwillig werden die Goliaths die Bühne nicht verlassen.

 

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