Was treibt uns an? Nach Wulf Schieferhöver, Anthropologe, Mediziner und Referent auf der diesjährigen Konferenz der Stiftung Denkwert Zukunft, ist es primär unsere biopsychologische Natur. Anders als bei „abschaltenden Endhandlungen“ wie Durst, Hunger und Sex (Orgasmus) können die Menschen nicht genug bekommen von ausgeschütteten Testeronen (bei Männern) durch Erfolg im Wettstreit mit anderen, durch Status und Macht. Menschen sind Maximierer – Schieferhöver spricht sogar von vulkanischen Triebe -, die immer mehr haben wollen und von den psychischen Belohnungssystemen im Gehirn gesteuert sind. Der Neurobiologe Gerald Hüther spricht in diesem Zusammenhang auch vom Doping für das Hirn. Da kann der Kaufrausch kurzfristig beflügeln und das moderne Neuromarketing nutzt dies auch „schamlos“ aus. Wie also soll es gelingen, „weniger ist besser als mehr“ durchzusetzen, wenn unsere Natur (im doppelten Sinne des Wortes) da nicht mit spielen mag. Schieferhöver deutet einen Lösungsweg an: in dem die Menschen z.B. Status anders definieren. Auf Status wollen die Menschen nicht verzichten, das liegt sozusagen in der Natur des Menschen, aber was und wie Status definiert wird, ist eine sozio-kulturelle Frage, die in den Gesellschaften beantwortet wird und damit beeinflussbar ist. Status müßte also weg von der immer größeren Anhäufung von Konsumgütern und ein damit verbundener verschwenderischer Konsum hin zu einem Status, der sich vielleicht in einem intelligenten Verhalten zeigt, in dem man ressourcenschonend und umweltfreundlich handelt. Wer sich schonmal die TV-Soap „Die Geissens“ angeschaut hat, wird feststellen, das ein vermeintlicher Status durch „Reichtum zur Schau stellen“ eher etwas rühriges, bemitleidenswertes, asoziales hat und daher eigentlich in einer Gesellschaft nicht ernsthaft als erstrebenswert mehr angesehen werden sollte. An dieser Stelle ist es auch Aufgabe einer Nachhaltigkeitskommunikation. Es gilt Bilder und eine visuelle Sprache zu entwickeln und zu verbreiten, die Status in der Gesellschaft umdefiniert. Es wird darum gehen, mit der Natur des Menschen zu arbeiten und nicht gegen sie. Vielleicht schaffen wir es, dass das Anhäufen von Gütern nicht mehr der Antreiber ist, sondern die Reduzierung, die Verschlankung, die Befreiung, um den neuen Status zu erreichen. In der Welt stehen die Zeichen natürlich anders. Chinesen und Inder eifern unseren vorgelebten alten Statussymbolen nach. Gerade deshalb haben die westlichen Industrieländer die Verantwortung, neue Statussymbole zu entwickeln, die nicht mehr zur Zerstörung unserer natürlichen Umwelt führt.

Foto: ©Jens Koch

 

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