Wenn man sich die „Energiewenden“ von Deutschland und den USA anschaut, wird sprichwörtlich ein Unterschied von Himmel und Hölle sichtbar. Die Energiewende in Deutschland beruht auf dem Ausbau erneuerbarer Energien und soll den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 55 Prozent, bis 2050 um 95 Prozent gegenüber 1990 senken. Dabei soll der Primärenergieverbrauch bei gleichbleibender Wirtschaftsleistung bis zum Jahre 2050 um 50 Prozent sinken. 2012 war bislang ein Rekordjahr für die Erneuerbaren Energien in Deutschland. Sie haben in den ersten sechs Monaten des Jahres 2012 erstmals die 25-Prozent-Marke überschritten. Nach ersten Schätzungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) deckten die Erneuerbaren Energien im ersten Halbjahr mit 67,9 Milliarden Kilowattstunden (erstes Halbjahr 2011: 56,4) ein Viertel des deutschen Strombedarfs. Bei einem Treibhausgas-Ausstoß von 917 Millionen Tonnen in Deutschland (2011) bedeutet die Erhöhung des Anteils der EE eine Verringerung der Emmissionen von immerhin 130 Millionen Tonnen Treibhausgase in 2011. Natürlich ist es noch ein weiter Weg, um auf nur noch 62,4 Millionen (!) Tonnen Ausstoß im Jahre 2050 zu kommen (die 95-prozentige Reduzierung gegenüber 1990). Aber das zeigt die Dimensionen und die Anstrengungen, die es bedarf. Im Jahr 2050 dürfte jeder Deutsche (bei einer angenommen Bevölkerungszahl von 74 Millionen) nur noch ca. 0,8 Tonnen emittieren. Deutschland liegt laut Europäischer Kommission (2011) derzeit bei 9,9 Tonnen. Die USA bleiben die größten CO2-Emittenten mit 17,3 Tonnen/pro Kopf.
Trotzdem ist von einer Emissionsreduktion bei der Energiewende „Made in USA“ nicht die Rede. Im Gegenteil: Amerika möchte zum größten Ölproduzenten der Welt aufsteigen. In sieben Jahren, schätzt die Internationale Energie Agentur, werden die Amerikaner die Saudis von ihrem Spitzenplatz verdrängen – und pro Tag zehn Millionen Barrel fördern. Wie schaffen sie das? Zum einen durch sogenanntes „Fracking“, dabei wird ein Mix aus Wasser, Sand und Chemikalien unter Hochdruck durch das Bohrloch gepumpt, um Schieferschichten aufzubrechen und das darin gespeicherte Gas und Öl anzuzapfen. Zum anderen durch Teersande, bei denen mit hohem Energieeinsatz der Sand vom Öl getrennt werden muss. Beide Verfahren sind höchst umweltschädlich und energieintensiv. Die USA beanspruchen schon jetzt weit mehr als ein Fünftel des weltweiten Energieverbrauchs. Vor allem braucht das Land Öl (2008 20,6 Millionen Fässer Öl täglich); rund 60 Prozent werden aus dem Ausland importiert. Das treibt auch den Schuldenstand der Amerikaner. Das US-Außenhandelsdefizit ist zu etwa einem Drittel auf Energieimporte zurückzuführen. Nur die Drosselung des Konsums und der Umstieg auf erneuerbare Energien werden die Amerikaner von der Bürde des teuren Öls befreien. Vielleicht wird das Siegel „Made in Amerika“ einmal das gleiche schlechte Image haben wie „Made in China“, wenn die Amerikaner weiter so Energie verschwenden und Öl-Junkies bleiben. Hölle eben.

 

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