Die Themen Klimawandel oder Nachhaltigkeit sind so ziemlich von der Bildoberfläche verschwunden und werden kaum noch wahrgenommen oder diskutiert. Wen wundert es? Tagtäglich hat es der Mensch mit über 10.000 Informationseinheiten zu tun. Die Folge: Eine Informationsüberlastung von fast 99%, d.h. weniger als 1% der von uns wahrgenommen Informationen landet überhaupt nur im Kurz- oder Langzeitgedächtnis. In diese 1% „reinzurutschen“ ist eine von drei Barrieren welche Nachhaltigkeitskommunikation meistern muss. Wie kann sie das schaffen? Sie muß uns zuerst durch ungewohnte Bildkombinationen zum Hinschauen verführen. Sie muß eine Bild- und Formensprache entwickeln, die außergewöhnlich ist und sich von dem täglichen Einerlei abhebt. Nachhaltigkeit wird nicht als ein Thema wahrgenommen, das wirklich eine Relevanz für die Menschen hat. Dies ist die zweite „Hürde“, die es zu überwinden gilt. Die Menschen fühlen sich von der Nachhaltigkeit nicht direkt betroffen. Man sieht den unmittelbaren Zusammenhang von Gletscherschmelze oder Artensterben für sein Alltagsleben nicht. CO2 ist unsichtbar und die Fabriken der Billiglohnländer sind weit entfernt. Brand bezeichnet Nachhaltigkeit daher als Vision ohne Herzblut, die nicht die Kraft besitzt, Menschen durch die Aussicht auf ein besseres Leben zu mobilisieren. Nachhaltigkeitskommunikation muß erreichen, dass wir emotional berührt werden, in dem sie eine Beziehung zu unserem Leben herstellt. Sie muß versuchen, die sehr komplexen und zum Teil komplizierten Zusammenhänge der Nachhaltigkeit in eine verständliche Sprache zu übersetzen.
Die dritte große Barriere, die erfolgreiche Nachhaltigkeitskommunikation zu überwinden hat, ist die menschliche Psyche. So konstantiert Daniel Gilbert, Professor für Psychologie an der Havard University, dass wir Nachfahren von Jägern und Sammlern sind, deren Leben kurz und deren größte Bedrohung ein Mensch mit Keule war. Das führt dazu, dass die Erderwärmung zwar unsere Zukunft, nicht aber unsere nächsten Nachmittage bedroht. Deshalb unternehmen wir nur sehr wenig, um diese vermeintliche Bedrohung abzuwenden. „Climate Change isn´t trying to kill us“.
Nur ein kleiner Teil unseres Gehirn ist für Zukunft zuständig. Der größte Teil des Gehirns ist auf die Gegenwart fokussiert. Es ist daher sehr aufwendig, Menschen dazu zu bringen, sich mit Zukunftsthemen zu beschäftigen (siehe z.B. private Rentenvorsorge). Unser Gehirn ist darauf trainiert, sensibel auf Veränderungen zu reagieren, die innerhalb eines kurzen Zeitraums passieren (Hitze, Kälte, Lärm, Licht, Gewicht, Druck, etc). Langsame Veränderungen werden von uns kaum wahrgenommen. Klimawandel passiert nicht „schnell genug“. Deshalb tun wir uns sehr schwer, die Langfristigkeit von Nachhaltigkeits-Problemen, die oftmals durch schleichende, zunächst unspektakuläre Prozesse gekennzeichnet sind, wahrzunehmen, die Erderwärmung erfolgt sozusagen in Millimeterschritten. Nachhaltigkeitskommunikation muss es daher gelingen, die Themen der nachhaltigen Entwicklung den Menschen zu vergegenwärtigen und das mit einer gewissen Konsistenz. Sie muß versuchen, uns wach zu rütteln und anzuregen, über unsere Zukunft nachzudenken und im Sinne unserer Zukunft aktiv zu werden. Aufmerksamkeit ist ein kostbares Gut. Im folgenden Kapitel haben wir Arbeiten und Projekte zusammengestellt, die beispielhaft zeigen, wie provokant, humorvoll, intelligent, relevant und aufmerksamkeitsstark Nachhaltigkeitskommunikation sein kann und sein sollte. (Der Text ist ein Auszug aus dem Buch Cause&Effect – Visualizing Sustainability, erschienen im Gestalten Verlag).

 

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