4.1.1

Das diesjähige Nachhaltigkeitsforum, das u.a. von der Gesellschaft für Nachhaltigkeit veranstaltet wird, beschäftigte sich diesmal mit dem Menschenbild der Ökonomie. In fast allen Lehrbüchern wird das Bild des Homo oeconomicus noch vertreten und gelehrt: Der Mensch als eigennütziges und nutzenmaximierendes, immer rational auf Basis aller erhältlichen Informationen entscheidendes, und unendliche Bedürfnisse habendes Wesen. Was für eine Konstruktion. Hier setzte auch die Kritik von Holger Rogall an, Professor an der HWR und leidenschaftlicher Verfechter einer Nachhaltigen Ökonomie. Das Bild des Menschen der Mainstreamökonomie hat nichts mit der Wirklichkeit des Menschen zu tun. Zum Beispiel zeichnet die Verhaltens- und Sozialforschung in den letzten Jahren ein ganz anderes Bild vom Menschen, das des oft eben nicht rational und viel mehr emotional handelnden und Gruppenzwängen unterliegendem Individuum, dem keineswegs alle „Marktinformationen“ vorliegen. Die Finanz- und Bankenkrise ist ein lebendiger Beweis, dass die Menschen nicht rational und aufgrund aller verfügbaren Informationen handeln. Rogall machte bei seinen Ausführungen eine interessante Reise in die Zeit der Säbelzahntiger und beglückwünschte alle Zuhörer, dass Sie nicht ihren Ursprung im Stamm des Homo oeconomicus nahmen; dann wären sie nämlich schon längst ausgerottet, weil sie nicht die Fähigkeit gehabt hätten, als eigennützig handelnde Wesen zu überleben. Überlebt haben die, die sich kooperativ in ihrer Gruppe verhalten haben, die sich mit den äußeren Lebensbedingungen arrangiert haben und gemeinsam mit den anderen Gruppenmitgliedern die Gefahren meisterten. Egos wurden verbannt und sind kläglich umgekommen. So entspricht das Menschenbild der Nachhaltigen Ökonomie dem des Homo cooperativus oder dem des Homo heterogenus. Der Mensch ist ein soziales Wesen und wenn er in einer Gemeinschaft leben möchte, muß er sich auch kooperativ verhalten: Und er möchte es auch. Jeder kennt die Genugtuung und manchmal auch das Glücksgefühl mit anderen Menschen etwas geschaffen zu haben, bzw. anderen Menschen geholfen zu haben. Aber zum Homo heterogenus gehören natürlich auch die Schattenseiten. Die Gierde, der Neid und die Böswilligkeit. Deshalb wehrt sich die Nachhaltige Ökonomie auch gegen die Bezeichnung des „Gutmenschens“, welches genauso wenig den Mensch in seiner Komplexität realistisch zu beschreiben vermag. Der Mensch ist mal gut und mal böse, er braucht daher Regeln und Leitplanken, innerhalb dessen er walten und schalten darf. Rahmenbedingungen und eine Ethik waren daher die Schlagworte auf dem Forum, die die Menschen davon abhalten müssen, ihre Welt in der sie leben zu zerstören. Wer allerdings diese Rahmenbedingungen erstellen und wer für eine stärkere Ethik im Handeln des Menschen sorgen soll, das blieb das Forum mit seinen Diskutanten leider etwas schuldig. Die jetzige Politik und auch die Religionen scheinen aktuell unfähig, diese Herausforderungen zu meistern.

 

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