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Nur mal ganz so nebenbei. Während wir von der einen Konferenz und Podiumsdiskussion zur nächsten hetzen, um zu diskutieren, wie wir den Klimawandel eindämmen können, haben Wissenschaftler zum ersten mal mit 400ppm den höchsten Kohledioxidwert in der Atmosphäre gemessen, der je existiert hat. Wissenschaftler und Organisation wie 350.org gehen davon aus, dass die Konzentration von C02 höchsten 350ppm betragen sollte, damit die Klimaerwärmung nicht mehr als 2 Grad überschreitet.

Zum ersten Mal wurden im Observatorium auf dem Mauna Loa, einem Vulkan auf Hawaii, an einem Tag mehr als 400 ppm (Teilchen CO2 pro Million Luftteilchen) gemessen, wie die US-Wetterbehörde Noaa Ende vergangener Woche meldete. Vermutlich war seit drei Millionen Jahren nicht mehr so viel CO2 in der Atmosphäre. Vor der industriellen Revolution lag der Wert bei etwa 280 ppm, seither steigt er – zuletzt besonders stark. In den 1950er-Jahren nahm der Kohlendioxid-Gehalt im Durchschnitt um 0,7 ppm pro Jahr
zu, im vergangenen Jahrzehnt um 2,1 ppm pro Jahr und von März 2012 bis März 2013 sogar um 2,9 ppm. „Der starke Anstieg der globalen CO2-Emissionen durch
das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas ist die Ursache für die Beschleunigung, wie überzeugende Beweise zeigen“, sagt Peter Tans von Noaa. Ralph Keeling von der Scripps Institution of Oceanography in San Diego bestätigt den neuen Rekordstand. Er betreut die kontinuierlichen Messungen, die sein Vater Charles Keeling im März 1958 am Mauna Loa begonnen hatte; damals lag der Wert bei 313 ppm. Beide Institutionen, Scripps und Noaa, messen unabhängig voneinander auf Hawaii, weil das Observatorium auf dem Gipfel des Vulkans weit von allen industriellen Zentren liegt und darum den Spiegel des Treibhausgases erst dann bestimmt, wenn es sich gleichmäßig in der Atmosphäre verteilt hat. Der Messwert auf dem Mauna Loa dürfte allerdings bald wieder unter die symbolische Grenze von 400 ppm fallen. Die Daten zeigen ein charakteristisches Muster: Wenn auf der Nordhemisphäre die Vegetation erwacht, sinken die CO2-Werte. Bäume und andere Pflanzen nutzen das Gas, um durch Fotosynthese Biomasse zu erzeugen. Darum fällt der Messwert von Mai bis Oktober um circa fünf ppm, um bis zum nächsten Mai wieder um ungefähr acht ppm anzusteigen. Saisonal bereinigt ergibt sich ein stetiger Anstieg. Wenn sich das Muster fortsetzt, dürfte der CO2-Spiegel im Jahr 2015 dauerhaft über 400 ppm liegen. „Dass wir diese Grenze überschreiten, ist nicht zu vermeiden“, sagt Ralph Keeling. „Was danach passiert, ist sehr wichtig für unser Klima, und es steht unter unserer Kontrolle. Es hängt vor allem davon ab, wie stark wir uns auf fossile Brennstoffe für die Energieerzeugung verlassen.“ (aus Süddeutsche Zeitung vom 13.5.2013)

 

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