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Die Böll-Stiftung veranstaltete eine Podiumsdiskussion zum Thema Die Seele der Ökonomie – Wie sich unsere Art zu wirtschaften und zu leben in Krisen ändert. Dr. Daniel Stelter, Managing Director der Boston Consulting Group vertrat den Standpunkt, dass das System des Kapitalismus immer noch ein gutes sei. Die Menschen leihen sich Geld für Ihre Ideen und arbeiten dann hart dafür, das Geld mit Zinsen zurückzuzahlen. Das System bringt Unternehmen wie Apple hervor, die fantastische Renditen erwirtschaften. Es gäbe zwar einige Probleme mit der Schulden- und Geldpolitik, aber ansonsten kann man auf Kurs bleiben. Schließlich hat das System Milliarden von Menschen zu Wohlstand verholfen. Holm Friede von der Zentrale Intelligenz Agentur definierte Ökonomie in ihrer Essenz als die intelligente Verteilung von knappen Ressourcen, lobte die Globalisierung und zeigte sich zufrieden, dass nur noch 2% der Menschen in der Landwirtschaft den Rest der Menschen ernähren können. Ralf Fücks, Leiter der Böll-Stiftung, sprühte vor Optimismus und verdammte die Postwachstumsvertreter als realitätsferne Genossen. Der Glaube am Fortschritt ist bei ihm ungebrochen. Als Beispiel erwähnte er den Tomatenfisch, ein Projekt,  in dem es um einen geschlossenen Nahrungs- und Wachstumskreislauf geht. Nachdem diese Thesen widerspruchslos von den Podiumsgästen unter das Publikum verbreitet wurden, machte sich langsam unter diesen ein Unwohlsein breit. Konnte man das so stehen lassen? Der Kapitalismus hat Wohlstand für die Menschen gebracht, aber er hat das mit folgenschweren Konsequenzen erreicht. Klimawandel, Ressorenknappheit und eine massive Umweltzerstörung sind das Ergebnis. Von einer intelligenten Verteilung knapper Ressourcen kann man nicht wirklich mehr sprechen, wenn 20% der Weltbevölkerung rund 80% der weltweiten Ressourcen verbrauchen. Nach wie vor hungern auf der Erde fast eine Milliarde Menschen und mehrere Milliarden Menschen leben in bitterer Armut mit einem verfügbaren Einkommen von weniger als 2 Dollar am Tag, ohne ausreichende Versorung mit sauberen Wasser und ohne Zugang zu Strom. Global agierende Unternehmen können riesige Gewinne erwirtschaften, weil sie zum Teil ihre Kosten externalisieren (Umweltkosten), ihre Produkte unter menschenunwürdigen Bedingungen produzieren lassen und sich ausgetüftelte Steuervermeidungsstrategien von Horden von Rechtsanwälten konzipieren lassen. Die Menschen sind innovativ und haben seit der industriellen Revolution auch ein Feuerwerk an Innovationen entfacht, dass aber auch gleichzeitig ein Berg von neuen (ungelösten) Problemen entstanden hat lassen (hier sei nur stellvertretend die Kernernergie und die auf fossilen Brennstoffen basierende Mobilitätstechnik genannt). Daran unkritisch festzuhalten, dass auch in Zukunft wieder nur durch (Technik-)Innovationen unsere Probleme gelöst werden, scheint doch etwas naiv. Aus der Geschichte weiß man, dass diese auf jeden Fall auch wieder zu weiteren Problemen führen werden. Es führt also kein Weg daran vorbei, besagte Pfade endlich zu verlassen und über neue, zukunftsfähigere Systeme nachzudenken. Ideen dazu würde zum Beispiel die Nachhaltige Ökonomie mit ihren Managementregeln liefern. Hier geht es nicht mehr um den optimalen Verbrauch von natürlichen Ressourcen, sondern um deren Erhaltung. Aber dazu kam es an diesem Abend in der Böll-Stiftung nicht mehr.

 

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