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Es ist nicht leicht sich im Alltag nachhaltig zu verhalten. Ich spreche hier nicht vom Müllrecycling oder die Umstellung auf Ökostrom. Das ist ja kinderleicht und kostet keinen Aufwand. Nein, der Teufel steckt im Detail. Zwei Beispiele sollen einmal meinen täglichen Kampf um nachhaltiges oder nicht nachhaltiges Verhalten veranschaulichen. Mein Fahrrad ist mein täglicher Begleiter und das jetzt schon über 12 Jahre lang. Jetzt sind die Zahnräder so abgenutzt, dass die Kette laufend abrutscht und man ständig in den Leerlauf tritt. Der erste Gang zu einem Fahrradladen endete in einer großen Frustration. Gelangweilt und entnervt wurde mir mitgeteilt, dass die Reparatur der alten Möhre mindestens 150 Euro betragen werde und das eigentlich kein Mechaniker sich daran noch die Finger schmutzig machen möchte. Ein paar Tage später führte eine trendbewusste Freundin von uns ihr neues Fahrrad vor. Schick in weiß, italienisches Design mit rotem Sattel und einklappbar ist es auch noch, wie nützlich. Sonderangebot im Internet für 169 Euro. Hm, ich komme ins Grübeln, eigentlich sind Reparaturen einem Neukauf vorzuziehen, weil wesentlich ressourcen- und energieschonender. Aber nur 19 Euro Unterschied zwischen einem alten Drahtesel und einem schnieken Neuen? Tagelang ringe ich mit mir und entscheide mich am Ende doch für die Reparatur, allerdings bei einem wesentlich meinem Fahrrad gegenüber freundlicheren eingestellten Fahrradgeschäfts. Anderes Beispiel. Unsere 10 Jahre alte Espressomaschine hat eines morgens nur noch heißes Wasser durch die Küche gespritzt. Ich bin gleich zum Reparaturdienst und mußte erstmal 25 Euro bezahlen, damit die sich die alte Mühle überhaupt erstmal anschauen. Nach ein paar Tagen dann der Anruf. Sogenannte Brüheinheit kaputt, die Reparatur kostet mindestens 150 Euro, aber ich hätte Glück, weil sie gerade ein Angebot für eine neue Espressomaschine haben. Auslaufmodell, aber Topmarke und nach Abzug meiner 25 Euro würde die Maschine mich nur 275 Euro kosten. Verdammt, wieder so eine Entscheidung, die mir kein Mensch abnimmt. Altes Gerät reparieren oder zusätzlich 125 Euro investieren für ein nagelneues Gerät? Es fällt mir schwer. Am Ende übergebe ich die Maschine einem Freund, der sehr geschickt in der Reparatur fast aller technischer Geräte ist. Nach einer Zeit erhielt ich von ihm den Anruf, das die Espressomaschine wieder funktioniert. Ich konnte es kaum glauben und nach Nachfrage, was denn kaputt gewesen sei, erhielt ich die Antwort, dass alles nur gereinigt und entkalkt werden mußte. Glück gehabt, richtig entschieden. Mir graut schon jetzt vor dem Tag, wenn unser fantastisches Röhrenfernsehen (kennen Sie das noch? Brilliantes Bild aber tonnenschwer und nicht an der Wand aufhängbar) eines Tages den Geist aufgeben wird und ich wieder nur Kopfschütteln bei einem der Reparaturdienste ernten werde und mir gleich ein paar Sonderangebote präsentiert werden.
Wieviele Menschen müssen sich auch tagtäglich entscheiden zwischen Reparatur, wegwerfen und Neukauf und wie gehen diese Entscheidungen aus? Wenn man sich den sogenannten ökologischen Rucksack der Deutschen anschaut, der bei ca. 70 (!) Tonnen Ressourcen jährlich liegt, kann man sich den Ausgang dieser Entscheidungen leicht denken. Eigentlich ist es relativ simpel, wie man diesen Rucksack notwendigerweise reduzieren kann: Produkte länger gebrauchen, instandhalten und reparieren. Aber es wird einem verdammt schwer gemacht.

 

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