Titel_HBS_Transformation_fb

Gleich im Prolog wird in dem von der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegebenen Buch Bericht aus der Zukunft Tacheles geredet. Es geht wie so oft um Geld, um viel Geld. Bei der notwendigen Transformation der Gesellschaft werden einige Player viel zu verlieren haben. Die Ausgaben für Energie (85% der Energie kommt von fossilen Energieträgern) belaufen sich jährlich auf 8.000 Milliarden Dollar. Wenn das mal nicht eine Summe ist, um der es sich zu streiten lohnt. Weiter wird im Prolog daraus schlußgefolgert, dass die Transformation nur gelingen kann, wenn es durch technische und gesellschaftliche Innovationen gelingt, ohne große Wohlstandsverluste den Wandel zu schaffen. Hier vertreten die Autoren des Buches natürlich die Hausstrategie der Böll-Stfitung und ihres Protagonisten Ralf Fücks, die voll auf grünes Wachstum, auf einen New Green Deal setzen. Unsere Lebensstile können ruhig fortgesetzt werden (Konsum, Güterwohlstand), wir brauchen nur intelligentere Systeme für deren Aufrechterhaltung. Das mag man als Leser gern zur Kenntnis nehmen und es unterscheidet sich deutlich von den Vertretern des sogenannten Postwachstumsdiskurses, die einen völligen Wandel auch unserer Lebensstile (Stichwort: Genügsamkeit, Bescheidenheit, Verzicht) als Bedingung für eine zukunftsfähige Gesellschaft einfordern. Es braucht Optimismus, wenn man vom Wandel ohne Wohlstandsverluste überzeugt sein will, und diesen Optimismus versprüht das Buch auch. Uwe Schneidewind spricht in einem anderen Zusammenhang von der Menschheit von einer „narrative telling species“ und eben von diesen Geschichten wird in dem Buch in den Themenfeldern Energie, Mobiliät, Städte und Wirtschaft eindrucksvoll berichtet. Von der Energiewende in Deutschland, die der amerikanische Ökonom Jeremy Rifkin als Laboratorium für den weltweiten Umbau zur CO2-freien Energieversorgung bezeichnet über die Idee eines Professors aus Furtwangen, mit Hilfe von riesigen Granitblöcken Energie aus erneuerbaren Energiequellen zu speichern bis hin zum größten europäischen Carsharing-Anbieter aus der Schweiz (!), zur der ersten CO2-neutralen Hauptstadt der Welt und zur Beschreibung zahlreicher sogenannter Collaborative Consumption Start-ups. Wir kennen alle das Ziel – sich in eine zukunftsfähige Gesellschaft wandeln zu müssen -, die Wege dahin werden, wie es sich für eine Demokratie gehört, heftigst diskutiert. Konzentriert man sich auf die vielen Lösungsbeispiele, kann das Buch einem durchaus optimistisch stimmen.

Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.)
Bericht aus der Zukunft
288 Seiten, oekom verlag München, 2013
ISBN-13: 978-3-86581-416-6

 

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