9783865815361

Das neue Buch des italienischen Chemikers Ugo Bardi „Der geplünderte Planet“, erschienen im oekom Verlag, liest sich wie ein spannender Roman. Sehr faktenreich und wissenschaftlich fundiert, dabei aber nicht trocken, liefert Ugo Bardi eine umfassende Bestandsaufnahme der Rohstoffsituation unseres Planeten. So stellt er in einem Kapitel den Zusammenhang zwischen Ressourcen und die daraus resultierende Macht von Staaten nochmal vorzüglich dar. Das Imperium der Römer fundierte wesentlich auf den Zugriff von Gold und Silber, dass in Minen in ganz Europa oder durch Raubzüge gewonnen wurde. Das Versiegen dieser Quellen gilt als einer der Hauptursachen des Untergangs von Rom, weil es seine Söldnerarmeen zur Sicherung seiner Macht nicht mehr bezahlen konnten. Die Macht und der Einfluss Englands im 18. und 19.Jhd. basierte auf die Förderung von Kohle und die einzig heute verbliebene Weltmacht USA ist auf ihr Öl auf Gedeih und Verderb angewiesen. Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Unterscheidung von Reserven und Ressourcen. Auskünfte über die Ressourcen in der Erdkruste werden oft fälschlicherwiese herangezogen, um ein Bild über die Verfügbarkeit zu erhalten. Ressourcen umfassen zwar alle vermuteten Vorkommen, aber auch solche, deren Nutzung gegenwärtig unwirtschaftlich ist oder die aus anderen Gründen nicht zugänglich sind. Reserven sind dagegen die Vorkommen, die unter gegenwärtigen technischen und wirtschaftlichen Bedingungen abgebaut werden können. Eine weiteres Kriterium ist der sogennante Erntefaktor (EROI). Er gibt Auskunft darüber, wieviel Energie aufgewendet werden muß, um den Energieträger zu fördern. Ist die aufgewendete Energie höher als die Energie, die man aus dem Energieträger gewinnen kann, macht eine Förderung keinen Sinn (das schließt auch die Phantasien, Ressourcen auf anderen Planeten zu gewinnen, mit ein). Das ist auch eine der Antworten, die Ugo Bardi gibt, wenn es zum Thema Fördermaximum oder Reichweiten von Ressourcen geht. Ressourcen sind reichlich in der Erdkruste enthalten. Nur ihre Förderung wird immer schwieriger, der Erntefaktor immer geringer und die Umweltbelastungen immer höher werden. Je mehr und wir tiefer wir graben, desto weiter werden die Probleme einfach auf zukünftige Generationen verschoben. Bardi spricht davon, das wir nichts anderes als ein Krieg gegen den Planeten führen, und zwar ein erbarmungslosen, den wir am Ende aber nicht gewinnen können.
Bardi kritisiert auch die Begriffe „Globale Erwärmung“ und „Klimawandel“, da sie nur unvollständig beschreiben, was wir mit der Erde anrichten. Störung des Ökosystems oder sogar Zerstörung des Ökosystems wären die trefferenden Begriffe. Bardi weist nochmals darauf hin, das es das Ökosystem ist, das der menschlichen Spezies das Phänomen des Lebens ermöglicht. Deshalb liegt es nach seiner Ansicht auf der Hand, dass für den Menschen die Erhaltung der Daseinsgrundlage eigentlich allererste Priorität haben müsste. Ob die Menschen das noch begreifen werden ist allerdings fraglich.
Das überaus lesenswerte Buch kann man hier bestellen.

 

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