kinderwerbung Hochschule Mittweida

Pavel Sukhdev hat erst neulich in seinem Buch Corporation 2020 die Abwesendheit von Moral in der Werbung beklagt. Alexander Hagelüken und Alex Rühle haben jetzt in der Süddeutschen Zeitung nachgelegt und üben schwere Kritik an der Werbeindustrie im Umgang mit Kindern. Scharf ist die Industrie auf den Nachwuchs, weil die über immer mehr Geld zum konsumieren verfügen. Für Süßigkeiten, Essen, Getränke und Spielzeug legen die elf Millionen Kinder in Deutschland immerhin rund 20 Milliarden Euro im Jahr hin. Deshalb werden in den Marketingabteilungen und in den Werbeagenturen immer verfeinerte Methoden ausgearbeitet, die Kinder zum konsumieren zu verführen, bzw. an die Marken zu binden. Mit Spots, Onlinespielen und Apps werden die Kleinen geködert. Schulen und Kinderspielplätze sind auch nicht mehr werbefrei. Bereits mit drei oder vier Jahren können sich deutsche Kinder eher Markenlogos als Kinderlieder merken. Der Zentralverband Deutscher Werbeagenturen (ZAW) verteidigt Werbung für Kinder mit folgender Aussage: „Tatsächlich vermittelt Werbung emotionale Orientierung, die Kinder bedürfen,
um in der modernen Gesellschaft zurechtzukommen“. Bevor man also vergeblich wartet, dass die Unternehmen und die Werbebranche mehr Verantwortung zeigen, müssen deshalb Gesetze die Werbung einschränken. Schweden und Norwegen verbieten alle Werbung, die sich speziell an Kinder unter zwölf Jahren richtet. Dänemark, Österreich und Flämisch-Belgien untersagen Radio- und Fernsehwerbung für die Kleinen, in Griechenland darf zumindest tagsüber nicht für Kinderprodukte geworben werden. Aber Deutschland ist besonders liberal, z.B. ist die Außenwerbung für Zigaretten in Europa neben Deutschland nur noch in Bulgarien (!) erlaubt und die ist auch noch oft in der Nähe von Schulen platziert. Natürlich müssen auch Konzepte wie verantwortungsvoller Konsum bereits an Schulen vermittelt werden, natürlich sind auch die Eltern in der Verantwortung, ihre Kinder nicht vor den Fernsehgeräten einfach zu parken. Auch hier muß ein verantwortungsvoller Umgang mit den Medien gelernt werden, aber als ersten Schritt könnte man sich schonmal die Werbung, die sich explizit an Kinder richtet, schenken.

Bild © Hochschule Mittweida

 

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