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Zurzeit laufen wieder verstärkt so genannte Endzeit- oder Apokalypse-Filme in den Kinos (nach den Mad Max-Filmen in den 80er Jahren). Alle Hollywood-Größen lassen es sich nicht nehmen, in einem der Untergangsspektakel das Grüppchen der überlebenden Menschen anzuführen. Von Will Smith, der sogar gleich zweimal mit „I am a legend“ und „After Earth“ in Hauptrollen zu sehen ist bis über Denzel Washington mit Eli und Tom Cruise mit Oblivion. Inhalt ist bei allen Filmen eine zerstörte Welt (durch Krieg oder Umweltzerstörung), in der für den Menschen nur der nackte Überlebenskampf übrig geblieben ist. Immer beschleicht mich das Gefühl, dass vielleicht auch ein bisschen Wahrheit in den Filmen stecken könnte, schließlich beschäftigen die Macher ganze Heere an (zum Teil wissenschaftlichen) Beratern, damit die Geschehnisse und Geschichten so glaubwürdig wie möglich dem kritischen Publikum vermittelt werden können. „The day after tomorrow“ vom deutschen Regisseur Roland Emmerich hatte ja einige sehr eindrucksvolle Bilder des Klimawandels geliefert. Das der Nordatlantikstrom zum erliegen kommt und somit den Weg frei macht für eine neue Eiszeit, ist ja durchaus ein wissenschaftlich denkbares Ereignis. Die so genannte Thermohaline Zirkulation (THC) transportiert große Wärmemengen in den Nordatlantik und trägt damit maßgeblich zum relativ milden europäischen Klima bei. Schon bei einer weiteren globalen Erwärmung von zwei Grad Celsius bis zum Jahr 2100 hält es die Mehrheit der befragten Experten für möglich, dass ein Abbruch der THC bis zum Ende des Jahrhunderts unumkehrbar ausgelöst wird. Was in der filmischen Zeit von ein paar Monaten passiert, braucht in der Natur also wesentlich länger, zum Glück. Aber trotzdem hat es ein aktueller Film geschafft, ein beklemmendes Gefühl in mir auszulösen: „Elysium“ vom südafrikanischen Regisseur Neill Blomkamp. Der Film spielt im Jahr 2154 und zeigt einen verwahrlosten, überbevölkerten und ausgeplünderten Planeten. Eine reiche Elite hat sich auf eine Art Luxus-Raumschiff zurückgezogen. Das unangenehme Gefühl, das sich mir beim Betrachten des Films einstellte, beruht auch auf eine Erfahrung, die ich vor ein paar Monaten an einer Hochschule in Berlin machen konnte. Ich war Zeuge eines Vortrages von Prof. Dr. Dr. Rademacher (Autor des Buches Welt mit Zukunft und Mitglied im Club of Rome), der in seinem Vortrag zum ökonomischen Menschenbild von einem neuen Feudalismus sprach, deren Anzeichen sich am Horizont abzeichnen. Eine kleine Gruppe von Superreichen sucht sich die noch verbliebenen lebenswerten Plätze auf der Erde und verschanst sich hinter immer höher werdenden Mauern, überall jetzt schon zu beobachten in Brasilien, in den USA, in China, etc.. Rademacher malt das Bild, dass der Rest der Menschheit in einer durch den Klimawandel veränderten lebensfeindlichen Welt nur noch ums Überleben kämpft. Ich kann mich noch genau an die beklemmende Stimmung im Hörsaal erinnern, nachdem Rademacher seinen Vortrag beendet hatte. Endzeitstimmung. Ähnlich muss wohl auch die Stimmung von Regisseur Blomkamp gewesen sein, als er die Idee für seinen Film hatte. Zitat aus einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: „Es war mehr der tägliche Blick in die Welt, auf den Zustand der Menschheit – und die Erkenntnis, dass wir dem Untergang geweiht sind. Unsere politischen Entscheidungen, unsere Lebensführung, alles reitet uns auf mittellanger Sicht ins Verderben (…) Er (der Film) spielt in einer Gesellschaft, deren Zustand wir in vielleicht 100 Jahren erreicht haben werden, wenn wir so weitermachen wie heute. Überbevölkerung, ein gewaltiges Gefälle zwischen Arm und Reich, Wasser- und Nahrungsknappheit. Das Ende der Solidarität.“ Ein paar Tage, nachdem ich den Film im Kino gesehen hatte, wandelte sich meine gelähmte Haltung in einen neuen Tatendrang, alles dafür zu tun, es soweit nicht kommen zu lassen. Ich möchte nicht, dass mein Kind und meine Enkel in so einer Welt einmal leben müssen (übrigens auch nicht im Weltall). Der Science Fiction Film von Blomkamp sollte Science Fiction und eine visuell starke Mahnung bleiben. Ich vertraue darauf, dass die meisten Menschen eine unsolidarische und kaputte Welt nicht wollen. Ich setze darauf, dass die Nachhaltigkeitsbewegung von Tag zu Tag größer wird und noch rechtzeitig die Transformation hin zu einer nachhaltigen Entwicklung schafft. Vielleicht kann Hollywood mal dafür eine filmische Vision entwickeln, wie eine nachhaltige Gesellschaft in Zukunft aussieht. Aber wir wissen natürlich, dass sich Desaster und Untergang immer besser an den Kinokassen verkaufen. (dieser Text ist als Kolumne von Stephan Bohle auf hessendesign.de im August erschienen)

 

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