Effi vs. Suffi

Vergangene Woche erlebte die Böll-Stiftung einer ihrer besseren Veranstaltungen. Unter dem Thema Effizienz vs. Suffizienz wurden in einem sogenannten Bücher-Battle die Argumente pro und contra der jeweiligen Ausrichtung durch prominente Protagonisten vorgetragen. Der Autor von „Blick in die Zukunft“, Marcus Franzen, vertrat die These, dass die Menschheit nur mit Hilfe von technischen grünen Innovationen in der Lage sein wird, den drohenden Umweltkollaps abzuwenden. Nur mit einem grünen Wachstum werden die Schwellen- und Entwicklungsländer einen materiellen Wohlstand erreichen. Nur mit einem „Green Growth“ wird die westliche Welt wiederum ihren Wohlstand halten können. Dem gegenüber argumentierte Angelika Zahrnt, Co-Autorin des Buches „Damit gutes Leben einfacher wird“, dass nur mit einem Lebensstil- und Kulturwandel hin zur Mäßigung und Genügsamkeit die Grenzen der Tragfähigkeit der Erde einzuhalten sind und eine Intergenerationengerechtigkeit erreicht werden kann. Anhand der drei „E’s“ (Entschleunigung, Entrümpelung und Entkommerzialisierung) skizzierte sie Umrisse einer Suffizienzpolitik. Eine Jury bewertete anschließend die Argumente. Dabei wurden bei beiden Autoren konzeptionelle Schwächen ausgemacht. Beim Effizienzverfechter wurde der zentrale Punkt des Rebound-Effektes übergangen, der besagt, dass viele technische Innovationen dazu geführt haben, die Effizienzgewinne durch ein Mehr an Gebrauch oder Konsum wieder zunichte zu machen. Die jährliche Effizienzrate – wenn sie wirklich den notwendigen Effekt einer Entkopplung erreichen wollte – müßte bei über 10% liegen, weltweit liegt sie gerademal bei 0,7%. Ausserdem muß man immer auch die Risiken betrachten, die mit Innovationen immer auch neu entstehen (siehe z.B. die Nukleartechnologie). Die Suffizienzvertreterin wurde kritisiert, all zu protestantisch-karg zu argumentieren, so dass Suffizienz ein reines Nischenthema bleiben würde, ohne jemals als nationale, geschweige denn globale Strategie funktionieren zu können. Der Mensch ist von der Kultur des „Immer-mehr-haben-wollen-müssens“ geprägt und verabscheut evolutionsbedingt Verlust, so dass Genügsamkeitsapelle von „Weniger und langsamer“ sich nur schwer vorstellbar in der Breite durchsetzen werden können. Fazit der Diskussion war, dass nur der Einsatz beider Strategien (zuzüglich der Kosistenzstrategie) den Menschen die Möglichkeit offen hält, die Plünderung und die Zerstörung der Erde zu stoppen. Auch wurde wieder von den geänderten Rahmenbedingungen gesprochen, die die Politik umsetzen muß. Und auch diesmal blieb die Frage unbeantwortet, welcher Politiker, welche Partei wohl dazu in der Lage wäre und wo die Wähler sind, die diese Politik unterstützen würden??

 

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