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Das lesenswerte Buch Energiepolitik unter Strom – herausgegeben vom oekom Verlag – über eine empirische Studie von Wissenschaftlern, die die Akzeptanz von Stromtechnologien und klimaverträglichen Strommixen bei den Bürgern erudiert hat, ist hochaktuell und die Erkenntnisse sollten sich schnell bei den Entscheidungsträgern und Akteuren der Energiewende herumsprechen.
Im ersten Teil wird kurz und kompakt auf die Themen und Zusammenhänge des Klimawandels, der Klimarisiken, aber auch deren Unterschätzung, sowie auf die Zielsetzungen und die Bedeutung der Energiewende eingegangen. Die Autoren sprechen von einer Revolution im Energiesektor. Es werden drei Klimaschutzstrategien (Fossile Strategie, Nukelare Strategie und Erneuerbare Strategie) mit sieben verschiedenen Energiemixen ausführlich vorgestellt. Den Studienteilnehmern wurde umfangreiches Informationsmaterial (sehr hilfreich: zweiseitige Informationsblätter mit Darstellung der spezifischen Vor- und Nachteile der jeweiligen Stromtechnologie) zur Verfügung gestellt, um einen gleichen Informationsstand unter den Diskussionsteilnehmern zu erreichen.
Kern der Studie war die Ermittlung von Akzeptanzprofilen einzelner Stromtechnologien (von Kohletechnologien über Gaskraftwerke bis Wind onshore und offshore) und der sieben Strommixe, die in jeweiligen übersichtlichen Akzeptanzmatrixen für den Leser (mit den Einflussfaktoren Soziodemographie, Klimabewusstsein und NIMBY-Effekt und den Bewertungskriterien pro, contra und ambivalent) dargestellt und zusammengefasst wurden. Es hat sich gezeigt, das Vertrauen, volks- und wirtschaftliche Aspekte und umweltbezogene Technikfolgen die zentralen Bewertungskategorien bilden. Als Ergebnis der Diskussion kann auch festgehalten werden, dass bei der Bewertung der Stromtechnologien die Teilnehmer deutlich die Erneuerbaren Energie auf die vorderen und fossile auf die hinteren Rangplätze gesetzt haben.

Das wesentliche Fazit der Studie aber kann so zusammengefasst werden, dass die Transformation der Energiesysteme aus Sicht der Autoren nur gelingen wird, wenn das traditionelle Zieldreieck, bestehend aus Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und Versorgungsicherheit, um die Säule der Akzeptanz in der Bevölkerung erweitert wird. Eine alleinige Fokussierung auf Aspekte der technischen Machbarkeit (Kosten- und Netzdebatte) greift bei der Umsetzung der Energiewende zu kurz. Daraus leitet sich die alles entscheidende Frage ab: Wie kann eine hohe Akzeptanzbereitschaft in der breiten Bevölkerung bei der Transformation der Energiesysteme erreicht werden? Sie wird bestimmt nicht erreicht werden durch die zur Zeit die öffentliche Diskussion beherrschenden Themen wie Kosten und Netzausbau. Eine anderes Agendasetting ist dringend geboten.

 

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