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Die Diskrepanz zwischen dem Umweltbewusstsein der Menschen und ihrem Umwelthandeln wird seit Jahren erforscht (auch bekannt unter dem Begriff des Attitude Behavior Gap), aber das Problem hält sich hartnäckig. Die Menschen sind zu über 90% für Umweltschutz (UBA), aber z.B. der Anteil an freiwilliger CO2-Kompensation von Flügen liegt im Promille-Bereich und die Absatzzahlen der tonnenschweren SUVs erreichen von Jahr zu Jahr neue Höhen. Aus unserer Sicht tut sich schon seit langem ein weiterer Gap auf: Zwischen der Wissenschaft und der Vermittlung ihrer Inhalte an die Öffentlichkeit, im besonderen im Bereich der Nachhaltigkeit. Die Wissenschaft selbst widmet sich längst auch wissenschaftlich mit dem Thema Kommunikation und die Vermittlung von Themen der Nachhaltigkeit (Michelsen 2005, Prexl 2010). Es gelingt trotzdem irgendwie nicht die Disziplinen Wissenschaft / Nachhaltigkeit mit der Disziplin Kommunikation erfolgreich miteinander zu verbinden. Vielleicht liegt es an den Berührungsängsten der jeweiligen Protagonisten. Die Wissenschaftler bleiben gerne unter ihresgleichen und auch die Kommunikationsprofis und Kreativen tümmeln sich eher auf ihren eigenen Gebieten und legen eine Ignoranz zu den Themen der Nachhaltigkeit an den Tag, die einen nur fassungslos macht (wir hatten auf diesem Blog und in anderen Medien schon des öfteren darüber berichtet). Dabei wissen wir schon seit Luhmann, dass erst die (kommunikative) Vermittlung von Problemen und Herausforderungen einer Gesellschaft diese relevant für die Gesellschaft werden läßt. Und so wundert es kaum, dass trotz fortschreitendem Klimwandel (und erhöhten CO2-Werten in Deutschland) und Umweltzerstörung diese an Dringlichkeit aus Sicht der Menschen weiter verlieren (Umweltschutz steht erst an 7. Stelle der dringendsten Probleme, die in Deutschland zu lösen sind/Statista 2014). Solange nicht erreicht wird, dass die beiden Disziplinen stärker miteinander kooperieren, aufeinander zugehen und voneinander lernen, können wir noch viele weitere wissenschaftliche Abhandlungen über Nachhaltigkeitskommunikation und über den Attitude Behavior Gap verfassen ohne das sich in der Praxis etwas ändern wird. Die Kommunikationsbranche (Agenturen, Medien) muß endlich eine nachhaltige Entwicklung in der Gesellschaft unterstützen und sich die Erkenntnisse der Wissenschaft zu eigen machen. Die Kampagne „Umparken im Kopf“ hat gezeigt, was kreative Kommunikation bewegen kann. Gefühlt ganz Deutschland diskutiert über Vorurteile und Klischees und stellt Verhaltensweisen in Frage. Nur leider ist der Hintergrund nicht die Diskussion über die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft sondern der Verkauf eines schnöden Autos.

Umparken im Kopf

Motiv aus der Kampagne „Umparken im Kopf“ für einen deutschen Autobauer

 

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