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Das Buch Anpassung an regionale Klimafolgen kommunizieren ist eine Zusammenfassung der Forschungsergebnisse des Forschungsprogramms „Klimzug – Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten“. Der erste Abschnitt des Buches befasst sich nochmals mit theoretischen Überlegungen zum Thema Anpassungskommunikation und der zweite Abschnitt stellt die Forschungsergebnissen in den verschiedensten Bereichen von Zielgruppenanalysen über Bildungsaktivitäten bis zu moderierten Onlinediskussionen dar. Im letzten Abschnitt sammelt der Band sogenannte „Steckbriefe“, die kurz – steckbriefartig – die Aktivitäten der an der Forschung teilnehmenden Organsiationen und Initiativen beschreibt. Die Herausgeber K. Beese, M. Fekkak, C. Katz, C. Körner, H. Molitor zeigen im ersten, lesenswerten Teil über den theoretischen Diskurs von Klimaanpassung und deren Kommunikation deutlich auf, dass Maßnahmen zur Klimaanpassung der Aktivität regionaler und lokaler politischer Entscheidungsträger und des Rückhalts, der Akzeptanz und der politischen Mitgestaltung breiter Bevölkerungskreise bedürfen. Es muss Wissen vermittelt werden und zu Handlungen motiviert werden, damit eine „entscheidungsrelevante Einmischung gesellschaftlicher Gruppen“ überhaupt möglich gemacht wird. Der Auto Torsten Grotmann erkennt richtig, dass die Komplexität der Herausforderungen der Klimakommunikation zeigt, dass sie mit Flyern, Broschüren oder Websiten wahrscheinlich nicht gelingt. Er verweist auf die stattdessen vielversprechender erscheinenen dialogischen und langdauernden Kommunikationsformen (Workshops, Bildungsveranstaltungen, Beratungsgespräche). Zum Kern der Analyse kommt das Buch, wenn Stefan Drews aufzeigt, dass „die bisherige analytisch geprägte Informationsvermittlung und Wahrnehmung die Menschen mehr oder weniger kaltgelassen hat (…).“ Emotionen können demnach das bislang fehlende Puzzleteil in der Kommunikation des Klimawandels sein. Weiter stellt er fest, dass „Emotionen es demnach möglich machen, ein Problembewusstsein zu schaffen, die moralischen Aspekte eines Risikos zu erkennen und zu Handlungen zu motivieren, was allein durch Vernunft nicht möglich wäre. Neben negativen Emotionen wie Furcht, Apathie oder Schuld haben eine Reihe weiterer, positiver Emotionen einen Einfluss auf Wahrnehmung und Handlungsmotivation.“ Soweit die Theorie. Aus meiner Sicht mangelt es der bisherigen Umwelt- und Klimakommunikation, diese Emotionen zu vermitteln. Für mich ist es daher unverständlich, dass es die Nachhaltigkeitskommunikation mit seinen Akteuren im wesentlichen noch nicht geschaffen hat, zum Beispiel eine Brücke zu den Profis der verbalen und visuellen Emotionsvermittlung, den Werbern und Filmemachern, zu schlagen. Auch die Beispiele im Buch lassen Emotionen, Esprit, Witz, Kreativität und Begeisterungsfähigkeit irgendwie vermissen. Sie wenden sich damit an eine Zielgruppe, die seit Jahrzehnten in der Nische verharrt. Eine breitenwirksame Kommunikation, die einen Großteil der Menschen – durchaus mit unterschiedlichen Formen – anspricht, motiviert und bewegt wird damit nie erreicht werden. Bleibt also nur auf den baldigen Brückenschlag zu hoffen und das ein Akteur den Mut findet, Ideen und Formen aus der Werbekommunikation und des Films in die Nachhaltigkeitskommunikation einzubauen.

Das Buch Anpassung an regionale Klimafolgen kommunizieren ist erhältlich beim oekom verlag.

 

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