peoples-climate-march11

Einer der spannendsten Diskussionen der letzten Jahre ist wohl die Frage nach der treibenden Kraft für eine nachhaltigere Entwicklung in Gesellschaft und Wirtschaft. Lösungen, ob technischer, gesellschaftspolitischer oder kultureller Art sind längst vorhanden, allein an Umsetzung und Willen hapert es ja. Theoretisch ist man sich einig, dass die entscheidenen Handlungsakteure aus PolitikerInnen, UnternehmerInnen und BürgerInnen bestehen. Aber irgendwie kommen diese Akteure nicht in die Gänge. Das liegt daran, dass jeder Akteur unterschiedliche Erwartungen an sich und an den jeweils anderen stellt.
Die Politik meint, dass vor allem der einzelne Bürger für Veränderungen und Innovationen in unserer Gesellschaft verantwortlich sei. Laut einer Studie sind 46% der befragten Abgeordneten dieser Ansicht. 34% sehen lediglich die Wirtschaft und schließlich nur 33% den Staat in der Verantwortung (Quelle: DEUPAS 2010). Auch ernüchternd: Nur knapp jeder Fünfte Abgeordnete sieht, das er persönlichen Einfluss z.B. auf Veränderungen im Umwelt- und Klimaschutz hat. Die Bürger wiederum erwarten mehr Engagement von Politik und Wirtschaft. So beklagen Sie, dass die Bundesregierung nicht genug tut (66%) und die Industrie sich nicht genug engagiert (86%) (Quelle: BMUB 2014). Auf der anderen Seite klafft eine (auch längst bekannte und erwiesene) Lücke zwischen Umweltbewusstsein bei den Bürgern und ihrem tatsächlichen Handeln. Nur ein Beispiel: 2014 wurden von BMW etwas über 2000 Stück der i3 Elektrofahrzeuge verkauft, aber über 12.000 Stück vom Modell X5 mit 300 PS und durchschnittlichen 200g/km an CO2 Emissionen. Weitere Fakten: Weniger als 1% kompensiert seine Flugreisen, der Umsatzanteil der Bio-Lebensmitteln bewegt sich trotz gefühltem Boom im einstelligen Bereich und nur jeder fünfte Haushalt bezieht Ökostrom im Energiewende-Wunderland (Statista 2013). Was ist mit dem Handlungsakteur Wirtschaft? Fast 60 Prozent der Unternehmen zeigen bisher kein oder kaum Engagement für eine nachhaltige Entwicklung und selbst die besten Unternehmen sind noch ein gutes Stück von einer nachhaltigen Wirtschaftsweise entfernt (oekom research 2013). Und wie sieht es in der Finanzwelt aus? Nachhaltige Investments machen in Deutschland lediglich 1,5 Prozent des Marktes aus (Quelle: Deutschen Fondsverbands BVI, Forums Nachhaltige Geldanlagen). Also welcher Akteur wird es richten? Wer geht voran? Die Gesellschaft? Die Politik? Die Wirtschaft? Es scheint, dass alle verharren und die Verantwortung bei dem jeweils anderen sehen. Das zeigen die Fakten und sie stimmen nicht optimistisch.

 

Kommentare sind geschlossen