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Ein Lebensstil ist laut Definition ein „regelmäßig wiederkehrender Gesamtzusammenhang von Verhaltensweisen, Interaktionen, Meinungen, Wissensbeständen und bewertenden Einstellungen eines Menschen“ (Hradil 1999, S. 431). Dazu gehört das Konsumverhalten, also die Entnahme von Gütern und Dienstleistungen aus dem Markt, ebenso wie auch das Freizeitverhalten. Das Konsumverhalten in den westlichen Industrieländern ist nicht nachhaltig, weil viel mehr Ressourcen verbraucht werden, als die Erdsysteme zur Verfügung stellen können (inkl. die Überbelastung der Senken durch Emissionen). Die Analyse des Freizeitverhalten kann wichtige Indikatoren aufzeigen, ob und wie eine Gesellschaft sich auf den Pfad einer nachhaltigen Entwicklung begibt. In Deutschland hat das Bundesfamilienministerium hat jetzt eine umfangreiche Studie zum Thema Freizeitverhalten veröffentlicht. Es zeigt, dass die deutsche Gesellschaft auch in ihrem Freizeitverhalten noch weit entfernt von einer nachhaltigeren Entwicklung ist. Verhalten, das reduziert werden sollte steigt. Und das so wichtige Argument in der oft negativ geführten „Verzichtsdebatte“, dass Bereiche in unserem Leben durchaus noch wachsen dürfen, zeigt in der Realität eine ganz andere Entwicklung. Verhalten, das noch wachsen könnte, sinkt eher. So hat das Einkaufen im Internet zugenommen, die Mediennutzung hat stark zugenommen und wir sitzen täglich 12 Minuten länger vor dem Computer. Dagegen hat das so wichtige freiwillige, ehrenamtliche Engagement eher abgenommen, sowie die Zeit, die wir mit sozialen Kontakten verbringen und auch die Zeit, die wir uns für Essen und Trinken nehmen, sowie die Zeit für unsere Hobbys. Solange dieser Trend nicht radikal umgedreht wird, besteht keine Aussicht auf eine nachhaltigere Entwicklung in unserer Gesellschaft. Wir brauchen nachhaltigerere Lebensstile und die äußern sich auch im Freizeitverhalten. Wir sollten unsere Zeit anders (besser) nutzen und uns mehr mit den Dingen beschäftigen, die uns eigentlich ja so wichtig sind.

 

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