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Der „Science Fiction Roman“ von Naomi Oreskes, Professorin für Wissenschaftsgeschichte an der Harvard Universität und Erik M. Conway, Wissenschafts- und Technikhistoriker, erschienen im oekom Verlag, ist der spannende Versuch, die unzureichende Reaktion der Menschen auf ihre nicht zukunftsfähige Lebens- und Arbeitsweisen einmal „weiter“ zu denken und sich die Entwicklung bis zum Jahr 2393 anzuschauen. Wohin die Entwicklung der Untätigkeit führt wird schon auf den ersten Seiten drastisch beschrieben: „Unser Zukunftshistoriker, der in der Zweiten Volksrepublik China lebt, schildert hier die Ereignisse des Penumbrischen Zeitalters, des „Zeitalters des Halbschattens“ (1988-2093), an dessen Ende schließlich der Große Kollaps stand, gefolgt von weltweiter Massenmigration (2073-2093). Aus Sicht eines Zukunftshistorikers wird nüchtern beschrieben, wie Wissen und Handeln nie zusammengekommen sind, angefangen von den unzähligen Klimakonferenzen, die nichts einbrachten, über das Wissen eine bestimmte Menge vom Menschen verursachte CO2 Emissionen in der Atmosphäre nicht zu überschreiten bis hin zu absurden Gesetzen wie den (realen) Sea Level Rise Denial Bill des US-Staates North Carolina, der in den (fiktiven) amerikanischen National Stabilty Protection Act von 2025 endet, in dem Wissenschaftler unter Androhung von Verhaftung verboten wurde, über Klimawandel und seine Folgen zu berichten. Die Untätigkeit der Regierungen, die im Gegenteil die Hauptverursacher des Klimawandels – die fossile Energiewirtschaft – noch mit Subventionen unterstützen (wir wissen, dass Öl, Kohle und Gas mit über 500 Mrd. Dollar weltweit jährlich unterstützt werden) endet in der Geschichte zur Auflösung dieser: „Mit dem Zusammenbruch der sozialen Ordnung in den 2050er Jahren wurden Regierungen gestürzt, insbesondere in Afrika, aber auch in vielen Teilen Asiens und Europas, womit die Fähigkeit dieser Gesellschaften, etwas gegen die zunehmende Verzweiflung der Bevölkerung zu tun, noch weiter abnahm.“ Oreskes und Conway zeichnen auch ein Bild von den sogenannten Kipp-Punkten, die Realität wurden: „Der endgültige Schlag für die westliche Zivilisation erfolgte mit einer Entwicklung, die wie so viele andere schon lange diskutiert, aber kaum als realistische Bedrohung erkannt worden war; dem Zusammenbruch des Westantarktischen Eisschilds (…) Im Lauf der folgenden zwei Jahrzehnte (von 2073 bis 2093) brachen etwa 90 Prozent des Eisschilds ab, fielen in sich zusammen, schmolzen und ließen den Meeresspiegel ohne große Ausnahmen erdumspannend um ungefähr fünf Meter ansteigen.“ Weiter folgern sie daraus: „…, aber wahrscheinlich wurden während der Massenwanderungen 1,5 Milliarden Menschen weltweit zur Flucht gezwungen, entweder als direkte Folge des Meeresanstiegs oder indirekt durch andere Auswirkungen des Klimawandel.“ In Anbetracht der realen Flüchtlingsereignisse dieser Tage in Europa, bei denen einige Hunderttausend Flüchtlinge die europäischen Gesellschaften in Wallung versetzen, kann man sich gar nicht ausmahlen, wenn aus Hunderttausenden Millionen oder gar Milliarden werden. Bleibt zu hoffen, das der Klimagipfel in Paris Ende des Jahres, der bei vielen Akteuren als die letzte Möglichkeit gesehen wird, das die Menschheit endlich aktiv und gemeinsam gegen den Klimawandel vorgeht, gut ausgeht und in zukünftigen Geschichten dann den Wendepunkt markiert, in dem sich die Menschen für eine nachhaltigere Entwicklung entschieden haben. „Vom Ende der Welt“ sollte nochmal allen Teilnehmern vor der Konferenz als warnendes Beispiel zur Lektüre übergeben werden.

 

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