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Das Cradle-to-Cradle Prinzip sieht den Menschen nicht als Schädling, sondern als Nützling. Seit Jahren plädiert sein Erfinder, der Chemiker Michael Braungart, für eine intelligente Verschwendung, bei der sich der Mensch nicht mehr schlecht fühlen muß, sondern weiter ungebremst konsumieren darf. Braungart führt in seinen Vorträgen gerne das Beispiel der Kirschbaumblüte an, die opulent und schön, aber an sich völlig nutzlos ist. Der „Müll“ – die Blüten – wird nach dem verblühen wieder Nährstoff für den Boden. Verschwenderisch sein zu dürfen ohne Einschränkung, welch eine herrliche Verlockung. Natürlich nur mit Cradle-to-Cradle zertifizierte Produkte, Produkte also, die so konzipiert und gebaut werden, das sie nach Gebrauch oder Abnutzung in einen biochemischen oder technischen Kreislauf überführt werden können. Es steht ausser Frage, das wir für eine nachhaltige Entwicklung intelligentere Produkte benötigen, dazu gehören auch Produkte nach dem C-to-C-Prinzip. Was aber in dem Auftreten und in der Argumentation des Familienunternehmers Braungart missfällt, ist sein Absolutheitsanspruch für die Lösung unserer Probleme der westlichen Zivilisation. Man muß neidlos anerkennen, dass Braungart sehr geschickt seine Idee verkauft, seine Zuhörer in seinen Bann zieht und unternehmerisch erfolgreich agiert (Beratungs- und Vortragsgeschäft, Zertifizierung, Kongress, Verein (der von seiner Frau, Monika Griefahn, und seiner Tochter, Nora Griefahn, geleitet wird), etc.). Eine Geschäftsidee als die einzige Lösung zu präsentieren und Nachhaltigkeit als Schimpfwort zu verunglimpfen ist falsch und auch nicht glaubwürdig. Erstens wird eine Wegwerf-Gesellschaft nie nachhaltig sein können, auch wenn sie ihre sämtlichen „Abfälle“ wiederverwerten kann. Für 9 Milliarden Menschen können dafür gar nicht die Ressourcen bereitgestellt werden, schon jetzt haben wir Peak-Szenarien für viele Materialien. Zweitens gleicht es einer Märchenerzählung (Nico Paech spricht von Science Fiction), davon auszugehen, dass der innerhalb für die Einhaltung des 2-Grad-Ziels noch zur Verfügung stehende Zeitrahmen von 35 Jahren ausreicht, um alle Produkte neu zu erfinden. Drittens ist der Glaube an eine rein technikbasierte Lösung für die Herausforderungen im 21. Jahrhundert wirklich kein guter Ratgeber, wie man aus der Vergangenheit lernen kann (Stichwort: Reboundeffekte, technische Risiken, etc.). Fazit: Auch wenn man es einfach nicht wahrhaben will, der verschwenderische Lebensstil der Industrienationen gehört auf den Prüfstand und muß radikal verändert werden. Und das Positive daran: Es wird auch noch genug Geschäft übrig bleiben für Braungart & Co.

 

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