Diego Gracia

Ralf Bindel und sein Team bringen seit Jahren das lesenswerte factory-Magazin heraus. Es erscheint vierteljährlich und widmet sich in jedem Heft einem Schwerpunkt rund um die Themen der nachhaltigen Entwicklung. Die Ausgabe 3/2015 hat das Thema „Baden gehen“ und bespricht und diskutiert die Ressource Wasser. Der Beitrag „Sechs Meter“ vom Biologen und Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Joachim H. Spangenberg hat es in sich. Alle reden von der Einhaltung eines 2 Grad-Ziels, um einen massiven Meeresspiegelanstieg noch abwenden zu können. Dem entgegnet Spangenberg: „Zu spät: Die letzte Chance, einen massiven Meeresspiegelanstieg noch zu verhindern, ist seit Mai 2014 Vergangenheit. Wir haben den Kipp-Punkt passiert. Vor gut einem Jahr wurde das Abschmelzen des westantarktischen Eisschilds unumkehrbar; es ist durch welche Politik auch immer nicht mehr aufzuhalten. Und er stellt ernüchternd fest: Alle schweigen zum Thema, die Medien, die Politik und die Gesellschaft interessiert sich nicht wirklich. Was wären die nächsten Schritte (und die haben es in sich)? Man bräuchte in allen betroffenen Städten (in Küstennähe) Konferenzen mit Bürgerbeteiligung, die mitentscheiden, was aufgegeben werden muss und was wie erhalten werden soll. Ist die Innenstadt von Kiel noch zu retten, oder die restaurierte Altstadt von Lübeck? Bremerhaven muss wahrscheinlich aufgegeben werden, samt Auswanderermuseum und Klimahaus – sollte man die nicht schon jetzt verlegen? Und eher sarkastisch endet sein Text mit Ratschlägen. „Venedig nochmal besuchen, solange es noch steht. Gletscher-Ski fahren, solange es noch Gletscher gibt. Die kleinen Inselstaaten besuchen, bevor ihre Einwohner den Widerstand aufgeben und statt dessen anfangen, die Koffer zu packen.“ Hätte das Magazin die Leserschaft der BILD-Zeitung, würde bestimmt der eine oder andere Leser sich diesen Rat ernsthaft zu Herzen nehmen.

Foto@Diego Garcia

 

Kommentare sind geschlossen