Michael Kopatz vom Wuppertaler Institut nimmt die Illusion, dass allein aufgrund des veränderten Verhaltens des Einzelnen die große Transformation zu einer nachhaltigen Entwicklung gelingen kann. Sicher gibt es schon viele Menschen, die – intrinsisch motiviert- versuchen ihren Lebensstil, ihr Verhalten den zukünftigen Anforderungen anzupassen. Diese Menschen sind und bleiben aber in der Nische (z.B. stagniert der Bioanteil von Lebensmitteln seit Jahren und lieg zwischen 5-8% oder die Kompensation von Flügen wird nur von 0,1% der fliegenden Bevölkerung durchgeführt). Wie Kopatz richtig ausführt, fühlt sich der Mainstream benachteiligt, wenn er freiwillig auf Flüge verzichten (oder mehr bezahlt, um zumindest die Emissionen, die er verursacht, zu kompensieren), weniger Fleisch essen und weniger Autofahren (oder in kleineren Autos fahren) würde. Daher lautet seine Lösung, dass das notwendige angepasste Verhalten für mehr Nachhaltigkeit erst zur Routine werden muß. Wir schätzen es mittlerweile, dass Restaurants rauchfrei sind, selbst Raucher geniessen ein rauchfreies leckeres Essen, keiner würde mehr auf die Idee kommen, unvermittelt in einem Restaurant sich eine Zigarette anzuzünden. Ein weiteres Besipiel ist durch die Anschnallpflicht entstanden, Anschnallen ist zur Routine geworden, wir denken darüber nicht mehr nach (und es rettet täglich viele Leben). Das die Auslöser dieser Routinen die Einführung von Grenzwerten (Limits), neuer Standards oder Regeln bedeuten, heißt eben nicht die Einschränkung von individueller Freiheit. Kopatz macht deutlich, dass individuelle Freiheit immer da enden sollte, wenn sie gleichzeitig die Freiheit des Anderen einschränkt. Das gilt für den Raucher, der mit dem Qualm die Gesundheit seines Nachbarn gefährdet, das gilt aber erst recht auch für die zukünftigen Generationen, deren Freiheiten wir massiv einschränken, wenn wir einen geplünderten und zerstörten Planeten hinterlassen. Nachhaltiges Handeln muß zur Routine werden, für den Bürger, wie auch für die Unternehmen. Mit neuen Standards, die zu den gewünschten Routinen führen. Damit vermeiden wir auch die negativ empfundenen „Verzichtsdebatten“ und ermuntern Unternehmen zu nachhaltigen Investitionen. Das lesenswerte Buch zur Thematik „Ökoroutine“ von Michael Kopatz ist beim oekom verlag erhältlich.

 

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