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F a s h i o n   E x t r a

Korrekter Luxus

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Eine alte Grand Dame, glamourös in Szene gesetzt: behängt mit reichlich Goldketten, flankiert von zwei dänischen Doggen als modische Accessoires. Nein, das sieht nicht nach Öko aus. Ist es aber. Dahinter steckt die dänische Luxus-Marke noir (www.noir-illuminati2.com), die die ökologische Qualität der Stoffe und die ethische Correctness aller Produktionsschritte streng überwacht. Der Kurs der Marke ist einzigartig – und dies wird durchaus honoriert. Die eleganten, raffiniert geschnittenen Kleider finden in der Fashion-Szene großen Anklang. „Haarper’s Bazaar“ bezeichnete sie als „die innovativsten und begehrenswertesten“ im Öko-Segment: „noir ist eines der wenigen Labels, in die ich investieren würde, und zwar stärker aufgrund seiner Qualität und der Schnitte als wegen ihrer Umweltfreundlichkeit“, schrieb das Magazin auf seiner Website. Die aktuelle Glamour-Kampagne, die radikal mit herkömmlichen Visualisierungsstrategien im Ökobereich bricht, hat durchaus das Zeug dazu, Fashionistas umweltfreundliche Klamotten unterzujubeln. (na)

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0810 Ecoluxury

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Foto: Ann-Katrin Blomqvist

Der Begriff “Ecoluxury” bedeutet für die schwedische Designerin Camilla Norrback (www.camillanorrback.com) ökologisches Bewusstsein und Nachhaltigkeit, kombiniert mit üppigen Materialien und außergewöhnlichem Design. Camilla Norrback vertritt die Meinung, dass es heutzutage ausreichend Möglichkeiten gibt, ökologisch gerechte Mode produzieren zu können. 2008 präsentiert die Designerin erstmals eine Linie, in der sie recyceltes Polyester verarbeitet. Die Kollektionen sind in etlichen europäischen Ländern, sowie in den USA, Japan und Korea zu finden. Ausserdem betreibt sie einen eigenen Store in Stockholm (Quelle: issuu.com). (fs) ________________________________________________________________

0710 Kreative Kultur

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Mode, die vom Modernismus der Architektur inspiriert ist – diese eigenwillige Verbindung zeichnet das Label Bodkin (www.bodkin.us) aus Brooklyn aus. Für Designerin Eviana Hartman ist interdisziplinäres Arbeiten eh an der Tagesordnung. Sie ist auch Autorin für Musik, Architektur und Design, tanzt und spielt Schlagzeug in einer Band. Für die urban essentials von Bodkin, die mit geometrischen Elementen und Asymmetrien spielen, sucht Eviana Hartmann jede Saison nach „den feinsten und innovativsten nachhaltig erzeugten Stoffen“. Das Spektrum der verarbeiteten Materialien reicht von handgefärbter heimischer Biobaumwolle über recyceltes Post-Consumer-Polyester bis hin zu von Hand erzeugtem Gewebe aus indischen Kollektiven. Universaltalent Eviana Hartman hat natürlich auch ein Händchen dafür, ihre Mode brilliant in Szene zu setzen. Die Location, in der Tina Tyrell die aktuelle Kollektion fotografierte, erinnert mit ihrem fleckigen Putz, ihren nackten Rohren, Kabeln und wie zufällig stehen gelassenen Brettern an leere Fashion- oder Künstler-Ateliers. Schließlich will die Marke ja auch „die Persönlichkeit des kreativen Brooklyns reflektieren“. Das funktioniert. (na)

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0610 Sinnvolles Kleid

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Ein Kleid für alle Fälle, genauer: eines für 365 Tage. Sheena Matheiken wollte mit ihrem Uniform Project (www.theuniformproject.com) ein Experiment in Sachen nachhaltige Mode wagen und verdammte sich selbst dazu, von Mai 2009 bis Mai 2010 das Gleiche anzuziehen. Hierfür ließ sie von Eliza Starbuck ein vielseitig verwendbares Exemplar entwerfen und sieben identische Kleider nähen, für jeden Tag der Woche eins. Täglich variiert Sheena Matheiken ihre Uniform mit anderen Accessoires, die zumeist aus Second Hand-Quellen stammen, um zu zeigen, dass man nicht einen ganzen Kleiderschrank voll Sachen braucht, um jeden Tag anders auszusehen. Sheena Matheiken, die in Indien aufgewachsen ist, zog die Inspiration aus indischen Schuluniformen und den Erinnerungen daran, wie die Schüler sie individuell abwandelten. Ihr Projekt ist aber kein reines Modeexperiment, es soll Kindern in Indien eine Schulausbildung finanzieren. Hierfür kooperiert sie mit der Akanksha Foundation in Mumbai. Unter https://theuniformproject.com/store/ kann man für 180 Dollar das Kleid kaufen (30 Dollar gehen direkt an die Stiftung.) Sheena Matheiken selbst spendet einen Euro am Tag, so dass sie am Ende des Uniform Projekt-Jahres die Ausbildung eines Kindes für 1 Jahr finanziert. Gleichzeitig ruft sie auch zu Geld-Spenden für die Foundation auf oder zu Accessoire-Spenden. Denn zusätzlich versteigert sie über ebay (http://stores.ebay.com/The-Uniform-Project) Accessoires zur Abwandlung der Uniform – der Erlös geht wiederum an die Stiftung. (na) ________________________________________________________________

0510 Sexy Recycled

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2005 gründete der Designer Tatsuki Takino mit Romain Massau AOI (http://www.aoiclothing.com). Das Label produziert luxuriöse und innovative Mode, die nicht aus opulenten, neu produzierten, sondern recycelten Materialien besteht. Sie nutzen alte Kimonos als Rohstoff und transformieren sie mit modernen Schnitten und Verarbeitungsmethoden zu neuer tragbarer Mode. Jedes Kollektionsteil ist einzigartig und erzählt eine Geschichte, die in seinem neuen Träger eine Fortsetzung findet. Da alle eingesetzten Materialien recycelte Materialien sind und alles in Handarbeit hergestellt wird, ist AOI ein Vorbild sozial gerechter und umweltfreundlicher Produktion in der Fashion-World (Quelle: issuu.com). (fs) ________________________________________________________________

0410 Modezukunft

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naturevsfuture (www.naturevsfuture.com) wurde 2002 von der Designerin Nina Valenti gegründet. In ihren Kollektionen mischt sie Organic Cotton, Organic Wool, Hanf, Bambus und Seacell (Algen) als auch recycelte Materialien wie Polartec. Die Teile werden lokal in New York produziert. Das Design ist eher klassisch mit einem Schuss futuristic, weil die Kollektionen langlebig sein sollen und sich nicht dem Modezirkusdiktat unterwerfen wollen. Valenti dazu: “We learn every day so we can make better decisions on how we proceed. We try to spread environmental awareness through our products from the knowledge we acquire.” (fs) ________________________________________________________________

0310 Artikel 23

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Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Exitsnez sichert. Der Artikel 23 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist gleichzeitig die Philosophie eines Pariser  Labels (article-23.com). Neben dem ungewöhnlichen Namen bietet das Label schöne, zeitlose Basics, die aber weit über T-Shirt-Niveau liegen. Die Designerin Naia Rico päsentiert moderne Alltagskleidung, die sophisticated und sportiv zugleich ist: “Ethisch, organisch und modisch”, lauten die Schlagworte des Labels. Die Kollektionen werden in einem Zentrum, in dem selbstständige Näherinnen gefördert werden, in den Slums von Bombay in Indien gefertigt (Quelle: issuu.com). (fs) ________________________________________________________________

0210 homogen heterogen

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Am Gartenzaun aufgespießt, am Busch befestigt, auf den Fahrradständer gelegt: einzelne Handschuhe liegen zur Winterszeit überall in der Stadt verstreut herum. Da sie nur in den seltensten Fällen zurück zu ihrem Verlierer finden, landen sie meistens im Müll. Eine erstaunliche Karriere kann ihnen allerdings das Glove Love-Projekt von Green Thing (www.dothegreenthing.com) verschaffen. Die Initiative sammelt die vereinsamten Singles, wäscht sie und sucht passende Pendants. Die sind nicht wirklich ähnlich und haarscharf daneben, sondern eher eine Art aparter Gegenpol. So zieht sich Heterogenität als homogener Faden durchs Sortiment. „Left“ und Right“-Etiketten sorgen für visuellen Zusammenhalt und machen klar, dass dieser Muster- oder Farbenmix durchaus gewollt ist. Unter www.dothegreenthing.com/shop/get_gloves kann man für 5 Pfund ein Paar erwerben. Den Initiatoren geht es nicht ums Geldverdienen, sondern sie wollen den grünen Lebensstil damit attraktiver machen. Man kann übrigens auch Einzel-Handschuhe für das Projekt spenden. Der Erfolg von Glove Love liegt im Spiel mit individuellen Geschichten begründet – schließlich haben die Handschuhe eine bewegte Vergangenheit samt Trennungsschmerz und Happy End hinter sich. (na) ________________________________________________________________

0110 Stoff zum Anhören

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Eine erstaunliche Vielfalt an technologischem Schrott lässt sich offenbar in Stoffen und Materialien für die Modebranche verwerten. Elisabeth Olsen von olsen Haus (www.olsenhaus.com) verarbeitet in ihren Schuhen ausrangierte TV-Geräte und Sonic Fabric (www.sonicfabric.com) webt die Bänder aus den guten alten Audio-Kassetten zu 50 Prozent in ihre Stoffe ein. In letzterem Fall entsteht dabei sogar ein verblüffender Mehrwert: fährt man mit einem Kassetten-Abspielkopf über den Stoff, der zum Beispiel zu Schlipsen verarbeitet wird, ist der Sound tatsächlich zu hören. Sonic Fabric verwertet die eigene Cassettensammlung, bespielt die Bänder aber mit selbst komponierten Sounds. Akustisches Branding sozusagen. (na)

 

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