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Land der Giganten

Wir lassen ja in unserem E-Journal BGB keine Möglichkeit aus, um immer wieder auf das Potential von Design in Zusammenhang mit Nachhaltigkeit (inkl. Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen) hinzuweisen. Die Energiewende ist in Deutschland eingeleitet. Wie sie bewerkstelligt wird, weiß noch keiner so richtig. Zum Beispiel ist da die Diskussion um den Ausbau des Leitungsnetzes. Einen Teil wird man unterirdisch verlegen können, aber aufgrund der immensen Kosten werden viele neue Leitungen buchstäblich durch unsere Vorgärten gelegt werden müssen. Hier kann Design einen Beitrag für mehr Akzeptanz leisten. Das international ausgezeichntete Architektur- und Designbüro Choi+Shine (http://choishine.com) bietet eine Lösung. Das Team hat den Strommast neu erfunden. Warum muß ein Strommast aussehen wie er aussieht. Kann er begeisternd, inspirierend wirken und bestaunt werden? Er kann.
Die Idee ist, die üblichen Strommasten in beeindruckende Statuen zu wandeln, die in ihrer räumlichen Anordnung uns ins Märchenland der Riesen versetzen. Die wichtigsten „Körperteile“ können sogar in der x, y und z-Achse gedreht werden und so für eine Vielzahl an Ausdrucksformen sorgen. Der Entwurf wurde Wettbewerbssieger der Boston Society of Architects Unbuilt Architecture 2010 und Finalist der Ken Roberts Memorial Delineation Competition. Wann sehen wir die Riesen kommen? (fs)

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0706 Einweg-Toilette

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Super simpel und zugleich höchst komplex ist das Konzept des schwedischen Unternehmens Peepoople (www.peepoople.com), das eine Art Einweg-Toilette für Dritte Welt Länder entwickelt hat – 2,6 Billionen Menschen weltweit sind nicht an die Kanalisation angeschlossen. Auf den ersten Blick handelt es sich einfach um Plastikbeutel, die in einen beliebigen Behälter gestülpt werden, um Urin und Fäkalien aufzufangen und geruchsfrei und hygienisch zu verschließen. Dies allein wäre bereits ein großer Fortschritt, da die Exkremente nicht mehr die Umgebung kontaminieren, was die Übertragung von Krankheiten bekämpft.
Die Peepoo-Beutel sind aber keine normalen Plastiktüten. Das Material ist biologisch abbaubar und von Innen mit einer dünnen Schicht Urea versehen. Im Kontakt mit den Fäkalien zerfällt es in Ammoniak und Carbonat, wobei der PH-Wert ansteigt und die Stoffe aus den Fäkalien, die Krankheiten übertragen können, innerhalb von 2-4 Wochen inaktiviert werden. Unbehandelte Exkremente würden erst nach 2-3 Jahren hygienisch unbedenklich sein. Auf diese Weise können die gefüllten Beutel schließlich als Dünger auf die Felder aufgebracht werden.
Das Peepoo Konzept wurden von Anders Wilhelmson initiiert und in Kooperation mit der SLU Swedish University of Agricultural Science und dem KTH Royal Institute of Technology entwickelt. Die Tüten lassen sich extrem kosteneffizient produzieren. Seit Oktober 2010 werden sie in Kenya bereits von Mikro-Unternehmerinnen verkauft und vertrieben.  (na)

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0606 2getthere

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2gethere ist ein holländischer Systemanbieter für Nachhaltige Mobilitätslösungen (http://www.2getthere.eu). Das spektakulärste Projekt des Unternehmens ist ohne Frage die Konzeption für Masdar City, das milliardenschwere Eco-City-Projekt in Abu Dhabi. Masdar City soll die weltweit erste klimaneutrale und autofreie Stadt werden, vollständig durch erneuerbarer Energie betrieben und Null-Abfall-Erzeugung. Masdar City soll einst 1.500 Unternehmen, 40.000 Einwohner und 50.000 Pendler beherben. Herzstück ist das Personal Rapid Transit System (PRT) für längere Fahrten. Die PRT Fahrzeuge fahren mit Geschwindigkeiten von bis zu 40km / h, mit der man alle Punkte in der Stadt innerhalb von ca. 10 Minuten erreichen kann. 3000 PRT Fahrzeuge sollen einmal 130.000 Fahrten / Tag leisten und über die 85 Stationen erreichbar sein.
Die Fahrzeuge selbst sind mit Lithium-Phosphat-Batterien ausgestattet, haben eine Reichweite von etwa 60 Kilometern und werden jeweils an den Stationen wieder aufgeladen. Klingt fantastisch. Einziger Wehrmutstropfen, das schon oft innovative Projekte getroffen hat. Es geht das Gerücht rum, dass aufgrund finanzieller Schwierigkeiten das PRT-System komplett gestrichen wurde (mehr Infos). (fs)

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0506 Salonfähiger Aktivismus

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Der Name ist Programm, oder besser: Der Name ist Appell! STOP THE WATER WHILE USING ME (http://stop-the-water-while-using-me.com), so heißt eine Naturkosmetik-Serie, die beim Shampoonieren und Einseifen zum Wassersparen animieren will. Die Produkte wurden vor allem für Hotels entwickelt, denn ein Hotelgast verbraucht bis zu 1000 Liter Wasser täglich – 10 mal so viel wie im eigenen Haushalt.
STOP THE WATER WHILE USING ME verzichtet auf synthetische Farb- und Duftstoffe und enthält keine Silikone, Paraffine oder andere Mineralöl-basierte Rohstoffe. Zu den Inhaltsstoffen zählen Rosmarin, Grapefruit, Honig, Salbei und Gewürznelken. Die Marke verwendet recycelbare Verpackungen und setzt auf nachfüllbare Pumpspender, so dass möglichst wenig Müll anfällt. Produktentwicklung und Design stammen von Korefe (www.korefe.de). Die Verpackungen sind betont schlicht gehalten und unterstreichen durch die handgeschriebene Typografie den Appellcharakter. So wird Umweltaktivismus salonfähig. (na)

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0406 Ziehharmonika

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Spontanbesuch von 16 Leuten? Kein Problem. Die Sofabank Flexible Love aus recyceltem Karton lässt sich wie eine Ziehharmonika ausziehen und bietet wundersamer Weise für alle 16 Platz. Der taiwanesische Designer Chishen Chiu hat dies Konzept im Rahmen seiner Abschlussarbeit im Bereich Industriedesign der Universität für Wissenschaft und Technologie in Taiwan entwickelt. Inzwischen sind zwei Varianten auf dem Markt: ein 8-Sitzer, zusammengeschoben 13 x 64 x 56 cm klein und ein 16-Sitzer, der komprimiert 23 x 64 x 56 cm misst. Die Wabenstruktur ermöglicht das Ausziehen, sorgt für hohe Stabilität und zugleich für erstaunliche Flexibilität. Denn je nach räumlicher Umgebung oder persönlichen Vorlieben lässt sich die Bank in eine geschwungene oder eine gestreckte Form bringen. Das Leichtgewicht lässt sich obendrein platzsparend transportieren. Zu bestellen ist das geniale Sofa unter http://de.myfab.com/kategorien/einrichtung/moebel/sofas/modern.html (na)

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0306 Kulturelle Interaktion

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Eine fruchtbare Interaktion zwischen unterschiedlichsten Kulturen betreibt die französische Marke Muuñ (www.muun.fr). Sie bietet Körbe und Taschen in unterschiedlichsten Formen an, die Frauen in Nord-Ghana nach Entwürfen französischer und japanischer Designer herstellen.
Dabei kombiniert Muuñ die ursprünglichen Materialien und Produktionsweisen – Elefantengras und Leder werden organisch gefärbt  – mit modernen Formen. Insbesondere die puristischen Entwürfe, die den asiatischen Bezug der Marke widerspiegeln, bestechen durch ihre schlichte Eleganz. In Deutschland sind einige Produkte unter anderem bei rar in Hamburg erhältlich (www.rar-hamburg.de). (na)

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0206 Sweet Green

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Nach dem „Tod“ der vegetarischen Bio-Fastfood-Kette Gorilla in Berlin vermissen wir derartige Konzepte doch schmerzlich. Nach wie vor werden wir überschwemmt mit fürchterlichen Backstops mit ihren gummiartigen und geschmacksneutralen Industriewaren oder mit Döner- und Currywurstbuden. Gibt es denn keine Innovationen mehr im Fastfood-Gastrobereich (und kommen Sie mir nicht mit McDoof&Co)? Doch, aber leider nicht hier bei uns. In den USA erorbert eine kleine, feine Bio-Fast-Food-Kette die Herzen und Mägen der Menschen: Sweet Green. Tolles Restaurantdesign, eine kleine, aber charmante Salat- und Wrap-Karte und Frozen Yogurt Desserts haben die Kette in Kürze auf 9 Läden anwachsen lassen. Bitte, bitte kommt nach Deutschland, am besten erstmal nach Berlin (www.sweetgreen.com). (fs)

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0106 Buy green, save green

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Der Hype um neue Internet-Startups reißt nicht ab. Groupon wächst schwindelerregend (700 Mio.$ Umsatz 2010) und wird milliardenschwer bewertet trotz hoher Verluste (2010: 400 Mio.$). Die für uns entscheidene Frage ist aber: Ist das Unternehmenen nachhaltig? Bietet es nachhaltige Produkte oder Lösungen an? Nein, Groupon ist eigentlich nichts anderes als eine Plattform für die Geiz-ist-Geil-Community. Je mehr sich zusammentun, irgendetwas zu konsumieren, zu kaufen oder zu essen, desto billiger wird das für den Einzelnen. Das Startup Green Box Top aus San Francisco versucht einen anderen Weg: Schnäppchenjäger mit nachhaltigen Produkten und Unternehmen zusammenzubringen. Dazu Michelle Yorn, co-founder von Green Box Top:  „We look for businesses that are interested in leaving a lighter footprint on the planet – whether through buying organic, recycling and composting, using alternative energy, preventative health measures, or sustainable business practices. We want to support companies that have a commitment to healthier people and a healthier planet“. Darüberhinaus wird ein Teil der Einnahmen an Non-profit-Unternehmen gespendet (http://www.greenboxtop.com). (fs)

 

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