Sternstunde der Turnstunde

Was passiert, wenn Turnmatten einfach durch sind, wenn die Lederbezüge von Geräten wie Bock oder Kasten ausrangiert werden? Sie wandern in den Müll. Oder auch nicht. Für die Firma Bernd Dörr Recycling Goods sind sie ein wertvoller Rohstoff zur Produktion von Taschen aller Art.  Unter dem Label Zirkeltraining (www.zirkeltraining.biz) stellt sie neben Sport- und Handtaschen zum Beispiel auch Notebook- oder iPad-Taschen her. Die Materialien – blaues Gummi und weiches, abgegriffenes Leder – transportieren schon für sich konzentrierte Turnstunden-Geschichte. Der Betrachter oder Nutzer der Tasche lädt sie mit den eigenen Erinnerungen auf – vom klatschenden Aufprall auf die Matte, dem Quietschen der Turnschuh auf dem Hallenboden oder dem Geruch von verschwitzten Klamotten in der Umkleidekabine. Solche Assoziationen stimuliert die Marke auf großartige Weise in ihrer Kommunikation (Kreation: Markus Kreykenbohm). Im aktuellen Produktkatalog für die Saison 2010/2011, gedruckt auf dem Recycling-Papier Circle, sind Fotos von Maria Brinkop zu sehen, die herrlich ironisch mit Turnstunden-Klischees spielen, kombiniert mit historischen Grafiken von den Geräten. Auf der Website sind zwischen die Fotos aus der Kollektion Turn-Filmsequenzen der Schwarzweiß-Ära gestreut – untermalt vom Vibrieren und Rattern des guten alten Filmprojektors. Konsequenter kann man eine Markengeschichte kaum erzählen. (na)


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0811 Korrekt Kacken


Nein, man möchte sich nicht vorstellen, wie viel Plastik für die weltweite Windelproduktion benötigt wird. Marlene Sandberg aus Schweden tat das allerdings und bekam sozusagen eine Krise. Aus dieser erwuchs nach fünf Jahren Arbeit und Forschung ein eigenes Unternehmen namens naty (www.naty.com), das unter dem Label nature babycare biologisch abbaubare Windeln und umweltfreundliche Körperpflegeprodukte anbietet. Inzwischen werden sie bereits in Ländern wie Australien, Dänemark, Finnland, Großbrittanien, Frankreich oder den USA verkauft.
Für den Feuchtigkeitsschutz setzt naty statt auf ölbasiertes Plastik auf Biokunststoff, der aus Mais hergestellt wird – laut Hersteller frei von Genmanipulation. So gewann die Marke denn auch bereits viele Awards, darunter den Titel „Good Environmental Choice“ von der Swedish Society for Nature Conservation.
Das Verpackungsdesign der Windeln kommt ganz ohne bunte Bärchen aus. Stattdessen bildet viel Weißraum den Rahmen für Fotos von Kindern in der Natur und Detailfotos von Pflanzen, die mit dem Kontrast von Schärfe und Unschärfe spielen. Die Bildwelten wecken Assoziationen an schwedischen Mittsommer und Bullerbü und appellieren auf moderne Weise an die Vorstellungen von einer glücklichen Kindheit. (na)

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0711 Elektrifiziert


Die letzten Entwicklungen der Marken Mini und smart entstammen ja eher der Kategorie Überflüssig&Ärgerlich (z.B. dieser häßliche Mini-Country, ein Mini in SUV-Format oder der smart roadster, der ja mangels Erfolg zum Glück wieder eingestellt wurde). Jetzt haben sich diese beiden Unternehmen etwas für die urbane Mobilität überlegt, das mehr Sinn macht. In Ergänzung zur fossilen Verbrennungsmaschine auf vier Rädern haben sie 2 schicke E-Roller entwickelt, die die Innenstädte sauberer, sicherer und leiser machen können. Beide Roller sollen über eine Reichweite von 100km verfügen und ca. 45-50 km/h schnell sein. Und das besondere: Beide haben keine klassischen Instrumente mehr, sondern setzten auf ein im Lenker integriertes iPhone, das als Bordcomputer, Navigationssystem und Jukebox genutzt wird. Wann mit der Serienreife gerechnet werden kann, steht allerdings noch nicht fest. (fs)

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0611 Im Jahr 2030


Das auch die amerikanischen Autobauer erkannt haben, das riesige, fossile Ressourcen verbrennende Auotsaurier nicht die Zukunft sein können, stimmt zumindest ein wenig optimistisch. Auf der World Expo hat Chevrolet sein Zukunftskonzept EN-V vorgestellt. Die neue Antriebstechnik EN-V kombiniert Elektrifizierung mit einem intelligenten System, das mit unterschiedlichen externen Daten- und Informationsquellen verbunden ist. EN-V steht für Electric Networked-Vehicles. Das „Network“ bedeutet, das das Fahrzeug mit anderen Fahrzeugen und Menschen quasi kommunizieren kann und so Staus und Unfälle vermieden werden sollen. Damit ist das Fahrzeug der Zukunft duchaus für die Herausforderungen der globalen Urbanisierung gerüstet. Im Jahre 2030 werden über 70% der Weltbevölkerung in Städten leben. Ob der durchschnittliche amerikanische Autofahrer allerdings einsichtig sein wird, solange der Spritpreis relativ günstig bleibt, bleibt abzuwarten. Schade aber, dass wir solche Visionen eher selten bzw. gar nicht von der hiesigen Automobilindustrie sehen. (fs)

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0511 Schöner Stromsparen


Die Hersteller von Energiesparlampen haben manches gründlich vermasselt. Viele Produkte, insbesondere im Low-Budget-Segment, machen weit früher schlapp als versprochen und bieten deshalb eine eher fragwürdige Umweltbilanz. Man unternahm wenig, um Verbraucher über die richtige Entsorgung aufzuklären. Die falsche Entsorgung verschaffte den Energiesparlampen dann den Ruf „sowieso umweltschädlich“ zu sein. Die Lichtfarbe war obendrein bei vielen so, dass man sich daheim wie in einer neonbeleuchteten Pommesbude fühlte. Die Produkte sahen auch noch schrecklich aus und wirkten teilweise eher wie eine Beleidigung für den Lampenschirm.
Ein echter Lichtblick ist dagegen Plumen (http://plumen.com) – wenn die Marke hält, was sie verspricht. Ihr Warmton-Leuchtmittel (11Watt, 680 Lumen, 2700k), mit dem man wie bei Konkurrenzprodukten angeblich 80% Energie gegenüber einer normalen Glühbirne spart, soll „8 Jahre halten“. Da Plumen erst kürzlich an den Start ging, wird sich das erst in 8 Jahren verifizieren lassen.
Plumen bezeichnet sich selbst als Antithese der herkömmlichen Energiesparlampe. Im Namen steckt nicht nur Licht und die Einheit des Lichtstroms, sondern auch der Verweis auf Federn, mit denen sich Vögel schmücken. Denn Plumen will der ungeliebten Energiesparlampe ein attraktives Antlitz geben. Die Form hat tatsächlich skulpturale Qualitäten – sie sieht aus unterschiedlichen Seiten betrachtet jeweils anders aus und wirkt so ästhetisch, dass man sich den Lampenschirm gleich ganz schenken kann. Also, geben wir der Energiesparlampe doch eine neue Chance… (na)

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0411 Private Ernte


Ein verlassener Olivenhain brachte Jason Gibb and Cathy Rogers auf eine geniale Idee. Sie kauften das Land, brachten den Hain wieder auf Vordermann und banden kleine handwerkliche Olivenöl-Erzeuger in ihr Projekt ein. Via Internet kann man eine symbolische Patenschaft für einen Baum übernehmen, dann erhält man im Frühling und im Herbst jeweils ein Paket mit Öl. Man darf seinen Baum auch besuchen.
Durch die Patenschaft unterstützt man den Fortbestand der Bäume und kleine Betriebe in Le Marche and Abruzzo. Nudo verzichtet laut eigenen Angaben bei allen Ölen auf Pestizide. Für einen Teil des Öls haben sie bereits das Öko-Zertifikat erhalten. Die Marke hat auch ein mit Öko-Chilis aromatisiertes Öl und Bio-Antipasti im Programm. Das Öl wird in Dosen verpackt, die zu 57% recycled und leichter als Glasflaschen sind – laut eigenen Angaben ist ihre CO2-Bilanz insgesamt geringer.
Das eigenständige visuelle Vokabular – schwarzer Hintergrund, weißes handschriftliches Logo, ein stilisierter Olivenbaum und je nach Geschmacksrichtung variierende farbige Olivenmuster – sorgt für hohen Wiedererkennungswert.  (na)

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0311 Moderner Lastenesel


Fahrräder sind ja gerade der Megatrend. Fahrradmessen schießen wie Pilze aus dem Boden und Geschäfte präsentieren Fahrräder als Lifestyleartikel. Lobenswerter Trend. Jetzt hat der Schweizer Designer Christophe Machet (www.christophemachet.com) eine neue Kategorie entwickelt: Das Lastenfahrrad. Sein Camioncyclette hat das Potential, den innerstädtischen Lieferverkehr entlasten zu können. Bis zu 150 kg lassen sich bequem mit dem Fahrrad transportieren. Wann werden wir die ersten Logistik-Dienstleistungsunternehmen auf den Strassen sehen, die für die Gemüsehändler oder für sonstige Einzelhändler die Waren per Fahrrad liefern? (fs)

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0211 Catch a fire


Catchafire (catchafire.org) ist eine Social Business Online-Plattform, die Non-Profit Organisationen mit Menschen zusammenbringt, die eine gemeinnützige und kostenlose Arbeit leisten wollen. Die meist „klammen“ Organisationen können so professionelle Dienste in Anspruch nehmen und bezahlen weniger als 5% des „normalen“ Preises als Gebühr an Catchafire. Interessanterweise ist das Start-up von einer ehemaligen Investmentbankerin, Rachael Chong, gegründet worden. Das Unternehmen ist außerdem als B Corporation (www.bcorporation.net) zertifiziert.
Catchafire entspricht genau jener Art von Dienstleistungsinnovationen, die wir für eine stärkere dematerialisierte Wirtschaft brauchen. (fs)

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0111 Ich und Ihr


Ein weiteres positives Beispiel für die Kategorie dematerialisierte Innovationen ist die Crowd Sourcing Plattform Myoo. Myoo steht für me and you und möchte Problemstellungen aus dem Umwelt- und Sozialbereich mit einer Community zusammenbringen, die mit kreativen Vorschlägen diese zu lösen versucht. Es werden unterschiedliche Preisgelder ausgelobt, die bis zu mehreren tausend Dollar hoch sein können. Die Sieger werden von einer Jury ermittelt. Eingestellte Projekte waren bisher u.a. eine Lösung zu finden, wie man Kleidung am besten trocknen kann (http://www.myoocreate.com/challenges/care-to-air-design-challenge) oder wie man Müll vermeidet (http://www.myoocreate.com/challenges/the-plastiki-beat-waste-startup-challenge). (fs)


 

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