Grüne Propaganda

Die Kommunikationsdesign-Branche hat sich nicht gerade hervor getan, wenn es um Lösungen geht, die die Menschen auf interessante Weise über Nachhaltigkeits- oder Umweltthemen aufklären und informieren. Diesen Mißstand hat der amerikanische Grafikdesigner Joe Wirtheim aufgegriffen, und – wie wir finden – wunderbare Plakate entwickelt. Im Stile der „Propaganda-Plakate“ der 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, die genau zu dem aufgerufen und die zu unseren heutigen Problemen u.a. geführt haben (extensiver Konsum), setzt er jetzt diesen Stil ein, um die Nachhaltigkeits- und Umweltbewegung zu unterstützen. Sein VGoT-Projekt greift Themen auf wie Recycling, Heimgärtnern und lokales Kaufen. Original-Kommentar von Wirtheim: „I enjoyed the charm of the active-voice propaganda, like a mother telling you to eat your vegetables – who can argue with that? Planting a garden, riding a bike, and just getting up and doing something. I found out that kind of art is called „agit-prop“ or agitational propaganda, because it persuades the audience to get up and do something, not just change their minds.“ (fs)

________________________________________________________________

0709 The end of waste


Wir wissen, dass um eine Tonne Güter zu produzieren, 30 weitere Tonnen an Ressourcen verbraucht werden. Diese eine Tonne Güter verschwindet, besser gesagt, landet, bereits nach einem halben Jahr wieder auf dem Müll. Dan Knapp hat vor 30 Jahren dieses Übel erkannt und das Kaufhaus Urban Ore (urbanore.com) in Berkeley, Kalifornien gegründet. Ein Kaufhaus, dass nahezu alles anbietet: Türen, Fenster, Möbel, Waschbecken, Bücher, Klaviere. Alle Dinge haben eines gemeinsam: Sie sind gebraucht, bzw. sind vor dem Gang zur Mülldeponie bewahrt geblieben. Wir kennen hierzulande ja unsere sogenanten Trödler, die mit allem möglichen Krempeln handeln, besser feilschen. Was wäre das für eine großartige Idee, so ein Trödelladen in ein Kaufahus zu transformieren, dass bestens sortiert und aufbereitet ist und mit einem gewissen Stil diesen „Trödel“ wieder zu wertvolle Objekte und Materialien macht.
Urban Ore und Dan Knapp hat es mit seinem 38 Angestellten zum Kultstatus gebracht. Ihre Mission wird auf jede Quittung gedruckt: Our mission is to end the age of waste. Wer macht es ihnen als Erster nach? (fs)

________________________________________________________________

0609 Papp-Computer


Ein Computer, dessen Gehäuse man zwecks Entsorgung ins Altpapier stopft? Klingt wie eins von den vielen Projekten, die zu schön sind, um wahr zu sein. Recompute (www.sustainable-computer.com) gibt es aber wirklich. Das Ganze begann zwar als Design-Abschlussarbeit an der University of Houston, seit diesem Jahr kann man die Computer im Pappgehäuse aber tatsächlich kaufen.
Das Problem des herkömmlichen Computerschrotts ist bekannt. Die Plastikkisten lassen sich so schwer auseinander nehmen und in die zu recycelnden Teile zerlegen, dass ein Großteil in Entwicklungs-Länder verschifft wird, wo durch Verbrennung die Edelmetalle (Kupfer, Silber, Gold) unter Gesundheitsgefährdenden Bedingungen heraus geschmolzen werden.
Das Recompute-Gehäuse kann der User dagegen ruckzuck selbst öffnen, so dass er am Ende des Hardware-Lebenszyklusses den Elektronikschrott leicht herauslösen und dem professionellen Recycling zuführen kann.

Wer sich fragt, ob es der Hardware im Pappgehäuse auch gut geht: sie ist aufgrund der Wabenförmigen Struktur bestens belüftet. Der Karton, der seinerseits zu 50% aus recycelter Pappe besteht, ist temperaturresistenter als die meisten Plastik-Arten und wurde trotzdem zusätzlich mit einer nicht toxischen Feuerschutz-Schicht überzogen. Das ganze sieht so cool aus, dass man obendrein garantiert neidische Blicke erntet. (na)
________________________________________________________________

0509 Korrekte Durststiller

earthlust

Schicke Motive, korrekte Materialien: Die Trinkwasserflaschen von Earthlust www.earthlust.com sorgen dafür, dass man jede Menge Plastikflaschen-Müll vermeiden kann. Da Earthlust in den USA keinen Hersteller fand, der Flaschen aus Edelstahl fertigen konnte, wendete sich das Unternehmen an eine Firma in China, die ethisch korrekt produziert. Earthlust verwendet nicht toxische Farben und Bisphenol-A-freie Deckel aus Polypropylen. Das Design wechselt in limitierten Auflagen, außerdem können Firmen für ihre Zwecke die Flaschen individuell bedrucken lassen und so ihrerseits ein umweltfreundliches Statement abgeben. Aveda versorgte so beispielsweise gerade auf der New York Fashion Week wirkungsvoll seine Models. (na)

________________________________________________________________

0409 Pop Art Lampen

128145996715_forweb_500_410

Ein großer Designtrend (und ein noch sinnvoller dazu) ist das sogenannte Upcycling von Gegenständen. Darunter versteht man, dass ein verbrauchtes Objekt (was sonst zu Müll würde) durch Design in eine höhere Wertigkeitsstufe transformiert wird, zu einer neuen Deutung und einer neuen Nutzung zugeführt wird. Der Designer Willem Heeffer hat für Inneneinrichtungsfirma Fuse die „Can Light“ entwickelt. Aus alten Campbell’s Suppen- oder Heinz Beanz Dosen macht er stylische Lampen und poppige Retro-Unikate (http://www.fuseinteriors.ie/fuse-finds/campbells-soup-can-light#3). (fs)

________________________________________________________________

0309 Vorsprung durch Tradition

flores-farm

Höchste Lebensmittelqualität und eine Lebensperspektive für viele indonesische Familien – auf diesen beiden Säulen steht die Marke Flores Farm (www.floresfarm.com), die ökologisch erzeugte Nüsse und Trockenfrüchte anbietet. Ausgangspunkt war ein Cashewnuss-Projekt auf der Insel Flores, das die Schweizer Entwicklungshilfeorganisation Swisscontact 2004 initiiert hatte. Es stand kurz vor dem Scheitern, als Martin Steckdaub und Jochen Wolf das Ruder in die Hand nahmen und die Flores Farm GmbH gründeten. Sie erkannten das Potential, das die hohe Qualität der hier verarbeiteten Nüsse bot. Während industriell verarbeitete Bio-Cashewerne bei 70° bis 90° C getrocknet werden, knackt man sie bei Flores Farm von Hand und trocknet sie schonend bei maximal 40 bis 45 °C. Auf diese Weise bleiben Vitamine, Mineralien und Fettsäuren erhalten, wie eine vergleichende Studie der Universität Stuttgart Hohenheim bestätigte.
Der visuelle Auftritt von Flores Farm, den Dimak Design (www.dimak.de) aus Stuttgart entwickelte, vermittelt den Premium-Anspruch der Marke aufs Beste. Das Logo mit handschriftlichem Duktus und historischen Bildmotive in Kupferstich-Ästhetik verweisen auf die manuelle Verarbeitungsweise und handwerkliche Tradition. Die moderne Typo schafft dazu ein klares Gegengewicht, und die Thekendisplays appellieren mit elegant angeschnittenen Detailfotos der Rohstoffe äußerst effektiv an die Sinne des Gourmets. (na)

________________________________________________________________

0209 Metamorphose

milch

Die Macher von wornagain (wornagain.co.uk) finden, dass einige Dinge zu wertvoll sind, um sie in den Abfall zu schmeissen. Wohl war. Laut EPA produzieren die Amerikaner 2,3 kg Müll pro Tag pro Kopf(!), die Deutschen 1,5 kg und die Japaner 1,3 kg.In Großbritannien entstehen allein jährlich 2,35 Millionen Tonnen Textilabfall, gerade mal 13% werden davon recycelt. wornagain möchte diese Verschwendung stoppen und arbeitet mit internationalen Designern, wie z.B. Christopher Raeburn, die gebrauchte Textilien in etwas aufregend Neues transformieren. Die ersten Kooperationen laufen mit Eurostar und Virgin. Diese Unternehmen übergeben ihren „Textilmüll“, die ausrangierten Uniformen von Eurostar und die Stoffe ihrer Heißluftballons von Virgin, aus denen wornagain Hoodies und Laptoptaschen zaubert. Ein wirklich spannendes Konzept, dass man sich gut ausgeweitet vorstellen kann. (fs)

________________________________________________________________

0109 Das Vergrößerungsglas für den Wind

windlens

Windräder müssen nicht mehr wie Windräder aussehen. Um Wind in Energie zu verwandeln hat ein Professor der Kyushu University eine sogenannte Windlinse entwickelt. Der von Prof. Yuji Ohya und seinem Team entwickelte Windlinsenpark ähnelt einer Wabenstruktur, die die Energieerzeugung gegenüber herkömmlichen Windrädern verdreifachen kann. Die Neuheit wurde erstmalig auf der Yokohama Renewable Energy International Exhibition 2010 vorgestellt. Wie eine Art Vergrößerungsglas intensiviert jede einzelne Windlinse die Windströme und sieht dabei auch noch sehr stylisch aus. (fs)

 

One Response to September/Oktober 10

  1. Peter Jaeger sagt:

    Das unter 0109 Windrad vonProfessor der Kyushu University eine sogenannte Windlinse finde ich sehr schön. Mich interessiert ob diese Konstruktion (mit oder ohne Turm) die Enstehung von Infraschall verhindert.
    Ich würde mich freuen eine Antwort hierzu zu erhalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.